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Kolkhorst

Biografie

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Konzertbericht

Diskografie

Jahr vonJahr bisBezeichnungArtCover
2004 2004 Pizza Amore CD
2006 2006 Wir sind größer CD
2008 2008 Wir bleiben alle CD
2011 2011 Das bisschen Hollywood CD

Rezensionen

KOLKHORST

Das Bisschen Hollywood

2011, Tapete Records / Indigo TR207 / CD 943142

Kai-Uwe Kolkhorst ist eine One-Man-Band, die brennt. Auch nach seinem vierten Soloalbum ist der Lüneburger permanent mit seiner Gitarre und seinem Drumcomputer unterwegs, ziemlich genau alle zwei Jahre mit einer neuen CD. Er spielt seine Songs überall, auf großen Festivalbühnen oder zuhause bei seinen Fans in der Küche. Er hat etwas zu sagen und er muss es loswerden. Diese Dringlichkeit, die fast immer nur Debütalben auszeichnet, ist ihm nie abhanden gekommen auch nicht auf Das Bisschen Hollywood. Nie erwachsen geworden zu sein, ist eine Vorwurf der nicht zieht, es ist eher ein sich trotz zahlreicher Nackenschläge nie abfinden-wollen. Wut, Enttäuschung, aber auch Verletzlichkeit liegt in seinen Songs, die auch im Heimstudio nur eine Stimme, eine schroffe E-Gitarre und ein paar elektronische Vintage-Sounds brauchen. Dieser Trotz, mit dem Kolkhorst sein Ding durchzieht, ist bewundernswert und er hat den so unglaublich sympathischen Künstler nicht verhärten lassen. Verzweifelt ist er sicher so manches Mal, aber wenn für ihn diese Songs immer wieder der Not_A_U.S._gang (so der Namen seines Sideprojekts mit Punk-Freunden) sind, warum dann nicht auch für andere? Das sollte sich ruhig endlich weiter rumsprechen!

Lars Fischer

 

KOLKHORST

wir sind größer

2006, Tapete Records / Indigo TR086 / CD 869202

„Wie wir aussehen ist uns doch egal, Hauptsache wir sind schön!“ Dieser Satz aus dem Song schön prägte schon vor vier Jahren die geradezu skandalös unterbewerte CD bi der Lüneburger Band besser und meinte wohl so etwas wie: Die eigene Ästhetik finden, die nicht von Normen beeinflusst ist. bi war bereits die dritte Scheibe des Trios, zu dem neben Sänger, Gitarrist und Songschreiber Kai-Uwe Kolkhorst der Bassist Ingo Rottmann und Schlagzeuger Lars Plogschties (u.a. bei Dirk Darmstädter aktiv) gehörten. Der Erfolg stellte sich auch mit dem folgenden Album kaputt und glücklich (2003) nicht ein, obwohl die Band mit ihrem Sound exakt in der Mitte zwischen zu arg verkopfter Hamburger Schule und allzu simple strukturierten Deutschrock lag. Irgendwie hat es kaum einer mitbekommen, dass es noch Songs gibt, die einfach und trotzdem emotional intelligent sein können. Wie gesagt, ein Skandal, an dem dann auch die Band zerbrochen ist.

Kai-Uwe Kolkhorst  hat sich davon allerdings nicht unterkriegen lassen, sondern seinen enormen kreativen Output in eine Solokarriere kanalisiert. Bereits vor besser war er als Das Dasein allein unterwegs (das einzige Album schwarz weiß hat damals ein Mayor gekauft, um es im Keller versauern zu lassen). Zwischendurch frönt er mit NotA.U.S.gang dem Punkrock und 2004 erschein mit Pizza Amore das Debüt unter seinem Nachnamen, das mit Fun eines der stärksten besser-Stücke in neuem Gewand präsentierte. Für seine zweite Solo-Scheibe wir sind größer hat er jetzt eben jenen Song namens schön aktualisiert. Denn der stimmt – unter veränderten Umständen – mehr denn je. Der programmatischere Titel dieser CD aber dürfte einzelkämpfer sein, denn genau das ist aus der Antwort Lüneburgs auf Kurt Cobain geworden. Lieber so als die Schrotflinte! Seine Gedanken und eine Gitarre, die neuen Songs, der alte Drumcomputer und ein Keyboard – mehr braucht kolkhorst nicht für absolut beeindruckende Konzerte (auch mal drei Stunden und mehr) oder um eben eine Platte zu machen. Okay, einer muss sie noch aufnehmen (in diesem Fall: Folke Jensen), aber zur Not macht das der Sänger, der aus seiner Verehrung für Falco keine Hehl macht, auch noch selbst. Das lässt natürlich Minimalismus der extremeren Sorte erwarten, aber so nackt und karg wie man meinen könnte, klingt es nicht. Die Electronics sind natürlich 80er Jahre Old School und der Solo-Sound verhält sich im Vergleich zu besser in etwa analog zu dem von New Order zu Joy Division. Aber diese Songs vom Alleinsein, von Sehnsucht und – warum soll man das nicht sagen dürfen? – Liebe, brauchen nicht mehr. Hier singt sich einer die Seele aus dem Leib, das ist in jeder Sekunde spürbar. Aber es ist kein Gefühls-Striptease, bei dem man peinlich berührt weghört. Es ist viel mehr ein: So-kann-man-das-ja-auch-sehen, das sich aufdrängt. Authentisches Leiden, wie es jeder kennt, aber auf literarisch höheren Niveau, als man selber es auszudrücken in der Lage gewesen wäre. Die eigene Ästhetik eben. „Hauptsache wir sind schön – und das sind wir allemal!“

Lars Fischer

 

 

KOLKHORST

Wir bleiben alle

2008, Tapete Records / Indigo, TR 127 CD 907262 

„Nenn mich nicht Alleinunterhalter, nenn mich Intercity-Boy“ wünscht sich Kai-Uwe Kolkhorst auf seinem dritten Solo-Album. Dabei würde beides Sinn machen, denn nach dem Split von Besser hat der Lüneburger sein musikalischen Junggesellen-Dasein zur Kunstform erhoben. Tatsächlich geht er mit dem Zug auf Tour, im Gepäck eine E-Gitarre, ein Mikrophon und ein fast schon als antik zu bezeichnender Drumcomputer. Damit bestreitet er Konzertabende, die nicht selten zu unvergessenen Ereignissen werden. Eigene, schonungslos ehrliche Lieder und musikalische Souvenirs vermengen sich zu einer One-Man-Show an der eigentlich nichts Show ist. Genauso sind seine Platten und so kommt auch Wir bleiben alle mit der reduzierten Versuchsanordnung der Konzerte beinahe aus. Dem Alter der synthetischen Instrumente und der Vorliebe des größten Falco-Verehrers diesseits der Donau ist es geschuldet, dass vieles seiner Produktionen 80er Jahre Charme atmen. Die Themen aber sind ewig aktuell und auch die punkinfizierte Heftigkeit des Openers Der Staat ist nicht das Ziel oder des folgenden Osterei hat nichts Anachronistisches. Als Eigenversuche werden Kolkhorst Songs zu autobiographische Aussagen zwischen Verwirrtheit und Bestimmtheit. Als völlig ungeschminkte Mitteilungen funktionieren die Stücke ebenso wie als anonyme Betrachtungen, aber wer den Sänger jemals erlebt hat, weiß, dass es nur authentisch sein muss – anders kann er gar nicht. Und so tragen nicht nur die melancholischen, sondern selbst die aggressiveren Töne immer auch eine erbarmungslose Offenheit in sich. So verzerrt die Gitarren, so klar der Blick des Ich-Erzählers im besten Sinne des Wortes, der sich davor hütet, einfach Auswege anzubieten: „Denken könnt ihr von mir, was ihr wollt. Doch verstehen könnt ihr nur, was ihr sehen wollt. Also sucht nicht bei mir, ich habe mich längst gefunden!“ • Lars Fischer

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