German Rock e.V. | Das Online-Archiv der Deutschen Rockmusik
2.073  Deutsche Bands | 169 Bands - International | 3.645 Musiker | 707 abhörbare Interviews | 463 Festivals | 324 Konzerte

vorstand@germanrock.de | 05405 8959241

  • Startseite
  • Aktuell
    • News
    • Rockradio
    • Rock News Magazin
    • FAQ (PDF download)
  • Unser Verein
    • Vorstand
    • Aktive
    • Geschichte
    • Satzung
    • Klick zu Amazon
    • Mitglied werden
  • Inhalt
    • Deutsche Bands
    • Bands - International
    • Musiker
    • Interviews
    • Festivals
    • Konzerte
    • Specials / Events
    • (Riebes Fachblatt 72-75)
    • Buch / DVD
    • Adressen
  • Interaktiv
    • Pressemitteilungen
    • Pressespiegel
    • Linkpartner werden
  • Login
  • Impressum

Jahr auswählen

2026 2025 2024 2023
2022 2021 2020 2019
2018 2017 2016 2015
2014 2013 2012 2011
2010 2009 2008 2007
2006 2005 2004 2003
2002 2001 2000 1999
1998 1979 1975 1974
1973 1972 1971 1970
1969

Festivals in 1999

1. Kosovo-Benefiz, Hagen 1999
Bang Your Head 1999
Benne Open Air 1999
Burg Herzberg Festival 1999
Castle Rock (Hessen) 1999
Force Attack 1999
Gerberhaus Open Air 1999
German Rock Night 1999
KlangArt 1999
Lovefield 1999
Nachwuchsfestival - Bergisch Gladbach 1999
Progparade 1999
Rübeland 1999
Space Trance Tronics Night 1999
Sundown- Festival 1999
Wacken Open Air 1999
With Full Force 1999

Bang Your Head 1999


BANG YOUR HEAD 1999

Messegelände Balingen, 18./19.6.99

Freitag, 18.6.

Um es gleich mal vorweg zu sagen: es war wie im Vorjahr NUR klasse, die Stimmung weitgehend friedlich und das Programm vom feinsten.
Damit haben die Parallelen auch schon ein Ende, denn im Vergleich zum 98er Festival war die Bandbreite der Musikstile wesentlich höher. Bei der gebotenen Palette an Bands dürfte es sowieso für niemanden ein Problem gewesen sein, sich die bevorzugte Mucke in die Gehörgänge pressen zu lassen. Von Deep Purple bis Temple Of The Absurd war alles geboten, was irgendwie das Wörtchen Metal auf den Fahnen stehen hat, wenngleich die True-Metal-Fraktion am meisten Grund hatte abzufeiern.

Der Sprung aus der engen Halle hinaus auf das Open Air Gelände hat dem Festival nicht geschadet. Wie auch im Vorjahr ging es den meisten hauptsächlich um Musik und Party. Man sollte in der Hinsicht vor allem die Security-Leute loben, die sich nicht nur friedfertig, sondern überwiegend auch freundlich gaben.

Um 15:30 eröffneten Get Animal ihren Set und damit den Reigen der Bands. Auf den Plakaten waren sie leider nicht angekündigt.

Darauf folgten die Briten Marshall Law.


Zu Temple Of The Absurd wollte ich schon lange mal. Deren Sängerin Sabina Classen wurde mir einst als die Frau mit der höllischen Stimme empfohlen. Damals vor zehn Jahren war sie noch Frontgrunzerin von Holy Moses. Ich empfand die Musik eher als Kuriosität, legte sie aber dennoch hin und wieder gern auf. Irgendwie blieb World Chaos als eine meiner ersten Metalscheiben immer etwas Besonderes. „Man sollte sich das mal live reintun!“ dachte ich, was leider bis Balingen ein unverwirklichter Wunsch blieb.


Schwarz in schwarz präsentierten sich Sabina und Temple, mit nach wie vor extremer Musik gegen das (noch) leere Festivalgelände anbrüllend. Fünf Uhr am ersten Konzerttag war ein bisschen früh für solch eine Gruppe, zumal sie mit ihrer Mucke allein auf weiter Metal-Flur standen. Doch das Ganze klingt jetzt wesentlich kontrollierter als zu seligen Moses-Zeiten, davon konnte man sich sowohl in Balingen als auch auf der aktuellen Temple-Scheibe Mother Creator God überzeugen.

Ausbruch aus dem Thrash-Ghetto wird Sabina trotz des neuen Materials schwerfallen. Schwang da ein klein wenig Lamento in der kämpferischen Stimme, als sie uns aufforderte diese ganzen Schubladen endlich zu vergessen, in die wir die Rockmusik aufteilen? Persönlich habe ich kein Problem damit, wenn sie sich als Musiker in der Nachfolge der großen Deep Purple sieht, so unterschiedlich die produzierten Töne auch aus den Boxen knallen mögen. Ich mag beide hören und zu Festivals sollte man eh ein bisschen Toleranz mitbringen!


Die wiedervereinigten Destruction gaben nachfolgend eine kraftvolle Reunionshow mit der Ankündigung, in Bälde auch plattentechnisch aus ihren südbadischen Löchern kriechen zu wollen. Schade, dass der Livesound unter aller Kanone war.

Seit Gitarrist Chris „der Irre“ Holmes wieder mit von der Partie ist sind W.A.S.P. auf dem ewigen Partytrip, den sie mit der Headless Children-Scheibe abgelegt hatten. Was das Stageacting betraf war ihr Auftritt der extremsten einer auf dem Bang Your Head. Wäre dies kein Festival gewesen, sondern eine W.A.S.P.-Headlinertour, dann hätte man sich jedoch auf wesentlich mehr Show, mehr Blut und sonstige Spielereien einstellen müssen. So aber beschränkten sich Blackie Lawless + Co. mit wenigen Ausnahmen auf Verbalinjurien der Marke „Kill (Mother)Fuck Die“, legten ordentlich Kilometer auf den Bühnenbrettern zurück und ließen es ansonsten mächtig krachen. An guten Songs mangelt es der Truppe nun wirklich nicht, trotzdem vermisste ich viele Titel der Headless Children/Crimson Idol/Still Not Black Enough-Phase, die für mich den absoluten Höhepunkt ihres Schaffens darstellt.

 Nach Blackies wüstem Sturmangriff auf Augen und Ohren wirkten Hammerfall fast schon ein bisschen wie Saubermänner. Cleaner Sound, hübsche Klamotten und - man verzeihe mir - Metal-Spätlese vom Südhang. Den Leuten hat es gefallen und das ist ok so.

Motörhead - Hatte ja keine Ahnung, dass es sooo derbe abgehen würde! Ohne den eisernen Griff um die Absperrung hätte man ein Problem mit der Atmung gehabt, selbst weiter draußen, direkt vor den jetzt gut ausgelasteten Boxentürmen. Die nassgeschwitzten Haare konnte man sich dort umgehend schallwellentrocknen.

"We are Motörhead and we gonna kick your ass" meinte Lemmy lapidarisch. Vergiss es, der ist eingeklemmt! Die ersten drei bis vier Songs kam außer Soundbrei eh nicht viel rüber, dann aber ging es um so deftiger zur Sache. Klassiker wie Overkill und No Class gaben sich die Klinke in die Hand, bis der Mob ausgepumpt das Feld verließ.

Hätte ich aber selbst darauf kommen können, dass bei so einer Band der Hase anders läuft´.

Samstag, 19.6.

Mit dem Wetter hatten die Veranstalter an beiden Tagen Glück. Trotz wechselhafter Bewölkung und Regen andernorts in Deutschland fiel in Balingen kein einziger Tropfen. (Auf dem geschotterten und geteerten Gelände wäre zwar nicht mit den berühmt-berüchtigten Schlammschlachten à la Dynamo zu rechnen gewesen, wohl aber auf den Park- und Campingplätzen.)

Die moderaten Temperaturen sorgten für geringes Bierleichenaufkommen und die Sicherheit, dass verschwitzte Shirts ausnahmslos auf moshende Aktivitäten zurückzuführen waren.

A propos Bier... Apothekenpreise hier wie auch sonst auf jeder Großveranstaltung. Die meisten Getränke und Speisen kosteten zwischen vier und fünf Mark... na ja, geht so. Positiv die Geschichte mit Flaschen- und Becher-Pfand. Sichtbar weniger Müll erleichterte die Begehbarkeit. Nach dem Motto „Isch älles Geld!“ fanden fleißige Schwaben dennoch genug Zeugs einzusammeln.

Mit Klingeln in den Ohren erhob sich der headbangende Mob am späten Vormittag aus Zelt, Wohnmobil und Karre. Seeeeeehr langsam ließ man den Tag angehen. Überwiegend jedenfalls. Nach Motörhead hatten viele noch Unterhaltung im Partyzelt gesucht. Jetzt, am gottlosen frühen Morgen um 10 Uhr, sprang ein Player nach dem anderen an. Wer davon nicht wach werden wollte, den schreckte spätestens die italienische Combo Labyrinth aus dem Schlaf, deren Sänger lauthals „Wake up Germany!!!“ ins Mikro brüllte. Neeeee du, so eine Hektik aber auch! Trotzdem ein guter Opener, denn wenn dir die Mucke in solch zerschlagenem Zustand mundet kann es so übel nicht sein :-)

Es folgten Steel Prophet.

Dann Metalium. Irgendwie kennste den Typen links außen, den mit der Gitarre. Ja klar, dat is doch - Chris Caffery! Hey, Savatage waren aber nicht angekündigt… :)


Nun ist er mit Metalium unterwegs, die dummerweise ihr Album Millenium Metal Chapter I erst Ende Juni 99 rausbringen werden, denn sonst hätten sie vermutlich die ersten paar hundert Kopien gleich beim Bang Your Head verkauft. Der aus Hamburg stammende Henne Basse, bisher bestenfalls lokal als Sänger in Coverbands aufgefallen, stellt definitiv eine gute Wahl für den Frontmannposten einer erstklassigen Powermetalband dar. Interessante Stimme sowie nach vorne preschendes Stageacting fügen sich hervorragend in eine Gruppe ein, die sichtbar Spielfreude besitzt. Ohne Einschränkung eine Bereicherung für das Bang Your Head.


Pink Cream 69 überraschten mich ebenfalls angenehm. Nachdem die neueste Scheibe wieder eher in die Party-Ecke driftete befürchtete ich schon Schlimmstes. Kein Grund zur Bange - auch wenn das Material der ersten beiden David-Readman-Scheiben Change und Food For Thought außen vor gelassen wurden, brachte man alle Songs auf einen genügend heftigen Nenner. Leider kamen damit die Vorzüge von Davids Stimme nur selten voll zum Ausdruck. Man merkt halt sofort, dass auf Platte gesungen wird und nicht geshoutet. Das tat der Pinkies-freundlichen Stimmung auf dem Konzert keinen Abbruch. Nicht nur die anscheinend speziell wegen ihnen angereiste Asiatin hatte Grund zu feiern, auch der europäische Teil der Menge freute sich. Den Herren Saitenhexern sei jedoch angeraten sich ein bisschen mehr zu bewegen.


Anschließend spielten Riot und Lizzy Borden.

Die Pretty Maids können auf eine ganze Reihe Veröffentlichungen zurückblicken. Eine Zeit lang sah es so aus, als schafften sie den Durchbruch in die Liga der Großverdiener, dann jedoch folgten Anfang der 90er etwas schwächere Alben und der Hardrock-Boom wurde durch eine Reihe neuerer Stilrichtungen zu Fall gebracht.

Inzwischen scheinen sich die Dänen wieder gefangen zu haben. Was sie Samstagnachmittag ablieferten, war um Längen härter als alles was ich bis dahin von ihnen gehört hatte. Nur noch stellenweise schimmerte ihr typischer Plattensound durch und die Gitarren hatten eindeutig das Sagen. Damit fanden sie beim Publikum so ziemlich Anklang. Dass sie nie ganz aus der Erinnerung gestrichen worden waren bewies die Begeisterung, die ihr Klassiker Future World auslöste. Lecker!

Dennoch meinte ein Schwachkopf sein Bier samt Becher gen Laufsteg befördern zu müssen (in die Metal-Hölle mit dir!). Ein ungünstig getroffener Ronnie Atkins brauchte zum Glück nur Sekundenbruchteile, um sich zum Weitermachen zu entschließen. Sonst wäre uns ein wirklich gelungener Auftritt entgangen. Gewisse andere Bands hätten uns da herb enttäuscht. Nicht so die Pretty Maids und das rechne ich ihnen hoch an.

Es folgten Grave Digger, auf die ich mich ganz besonders freute. Ihren furiosen Set anno 98 wollte ich mir mit etwas umfangreicherer Fanschar ein zweites Mal antun, auf dass der Spaß um so größer werde. Vielleicht lag es an der Helligkeit (es war erst fünf), vielleicht auch an den mageren Showelementen, dass es mit Ausnahmen zu keinen größeren Drängeleien kam. Chris Boltendahl verstand es dennoch mühelos die Stimmung anzuheizen. Sowohl Inbegriff des Metal God als auch fan-naher Musiker, konnte er sofort den Draht zu uns hier unten herstellen. Kaum ein anderer atmet so glaubhaft Heavy Metal, ohne sich mit aufgesetzten Klischees umgeben zu müssen.

Das The Brave-Intro lässt kalte Schauer über den Rücken laufen, dann drückt mit Scotland United gleich der erste Kracher aus den Boxen, dem ein Schlag auf den andern folgte, darunter natürlich The Dark of the Sun und - unvermeidlich - Rebellion. Fehlende Bühnenaufbauten wurden mit um so mehr Gerenne und Gehoppse ausgeglichen. Wer sich da nicht die Rübe runterbangen wollte war selbst schuld!

Gamma Ray hätten laut Kai Hansens Gesundheitszustand ihren schlechten Tag haben sollen. Hatten sie aber nicht. Sie ließen Bronchitis Bronchitis sein, hobelten drauflos und waren überhaupt supergut drauf. Man sah es ihren Gesichtern an, man hörte es an der Mucke. Sie hatten ihren Spaß am Spiel, das hätten sie nicht erst großartig verkünden brauchen. So wurden selbst sonderbare Coverstücke begeistert angenommen, bis das Hamburger Powerpaket seinen Kram wieder einpackte und die Bretter frei machte.

Ronnie James Dio, der die letzte wirklich harte Mucke des Abends lieferte, kann als einer der größten Abräumer des Tages bezeichnet werden. Phantastisch, wie der Mann es schaffte, nach den fetzigen Auftritten von Grave Digger und Gamma Ray nochmals so richtig aufzudrehen und die Fans in Fahrt zu bringen. Egal ob die Songs von den zu Unrecht geschmähten 90er-Alben, den ersten Solojahren oder den Sabbath- und Rainbow-Welten stammten - sie verloren kein Gramm Power. Dank hyperaktiven Stageactings und eines energiegeladenen Larry Dennyson am Bass (den Mann sollte er behalten!) war das Zuschauervolk bereits mit den ersten Tönen am brodeln. Obercool dann die Reaktion, als ein biergefülltes Hirn den geleerten Becher Richtung Bühne feuerte: Während die Finger weiter den Bass zupften wurde das Ding mittels Ferse wieder ins Publikum zurückgekickt.

Kein Halten gab es mehr beim Überraschungsauftritt von Joey deMaio. Ausrufe wie „Hat man sowas schon gesehen?“ und „Ich glaub ich bin im Himmel!“ rumorten durch die Menge, als der Manowar-Basser einen Song lang Dios Weltklassestimme tieftönend untermalte. Fragt mich bloß nicht, was da gespielt wurde... schwebte irgendwo zwischen Heaven and Hell...

An den beiden Festivaltagen gab es ja genügend illustre Gäste, die die Umbauphasen kurzweiliger machen sollten. Die Sache mit deMaio war für mich jedoch einer der absoluten Höhepunkte, nahtlos anknüpfend an das 98er Festival, als Tom Angelripper mit Glenmore und Bruce Dickinson mit Wardog auftraten. Dass wir außerdem Zeuge des göttlich intonierten Stargazer werden durften trieb manchem Freudentränen in die Augen!

Also: klasse Gig! Unglaublich! Erneut hat RJD bewiesen, dassd er genau wie Purple zu den großen Veteranen der Rockgeschichte gehört. Was würden die Headliner jetzt aus der Situation machen?

Deep Purple gedachten nicht, ihre Vorgänger mit den eigenen Waffen zu schlagen. Manche machten ihnen das zum Vorwurf, aber für mich, der ich die Band ausschließlich von zwei Samplern her kenne, gehören die letzten beiden Stunden zu den unvergesslichen Momenten des vierten Bang Your Head!!!-Festivals. Man zollte seinem Alter Tribut, verzichtete auf noch lautere Gitarren, noch höher aufgedrehte Regler, noch schnellere Stücke. Stattdessen verpassten sie ihren Zuhörern durch glasklaren, stark in den Vordergrund gemischten BassSound die ultimative Herzmassage. Notwendig war das für all jene, die unvorbereitet einen seiner Haarpracht entledigten Ian Gillan wegzustecken hatten. Dessen kraftlose Tagesform war der definitive Schwachpunkt einer ansonsten gelungenen Purple-Party. Ich hätte mir gewünscht, dass Steve Morse noch ein wenig mehr aus sich herausgegangen wäre, denn hinter Blackmore braucht er sich bestimmt nicht zu verstecken. Eindrucksvoll fand ich zum Beispiel das Gitarre-Bass-Zwischenspiel, mit dem wie blöde quer durch die Rockgeschichte bekannte Songs gecovert wurden, unterbrochen jeweils von galoppierenden Riffs. "Wie hieß denn gleich dieses Stück?? Mir lag es eben auf der Zunge..." glaubte ich Steves Saiten fragen zu hören. Todsicher musste die Antwort heißen: Smoke On The Water. Das war es dann auch, was dieses seltsame Medley abschloss.

Einige Songs später war Ende Gelände. Eine Zugabe und Schluss. Gegen eine zweite hätten wir bestimmt nichts einzuwenden gehabt! Hey Jungs, so kann man doch kein rattenscharfes Wochenende beschließen!?


Und heimwärts gehts wieder mit dem Rockmobil


Jürgen Hornschuh



00 Plakat: Bang Your Head 1999

00 Plakat: Bang Your Head 1999

BYH1999 - Photopass

BYH1999 - Photopass

German Rock e.V. - seit 1998 Förderung deutscher Rockmusik und Aufbau eines allgemein zugänglichen Datenarchivs - jeder kann Mitglied werden und die Szene unterstützen.

Und so kannst du uns auch als Nichtmitglied unterstützen.