German Rock e.V. | Das Online-Archiv der Deutschen Rockmusik
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Festivals in 2003

Alive Festival 2003
Bang Your Head 2003
Black Hole Open Air 2003
Blind Guardian Open Air 2003
Blues Rock & More Open Air 2003
Bosch Open Air 2003
Bretthart 2003
Connichi 2003
Earthshaker Fest 2003
Fehmarn Open Air 2003
Force Attack 2003
Greifensteine Open Air 2003
Herzberg goes Wilhelmsthal 2003
Live Rocknight - Bandcontest Duisburg 2003
Marienberger Bizarre 2003
Nibelungenfestspiele 2003
Open Flair 2003
OsFest 2003
Polo-Rockfestival 2003
Rock Harz 2003
Stemweder Open Air 2003
Summer End 2003
Sun Open Air 2003
Under The Bridge 2003
With Full Force 2003
Woodrock 2003

Force Attack 2003

Behnkenhagen, Festwiese, 25.-27.7.2003


FORCE ATTACK 2003

Behnkenhagen, Festwiese, 25.-27.7.2003

 

Wenn sich Tausende Leute überwiegend mit bunten Frisuren (seit 7 Jahren) immer wieder Ende Juli gleichzeitig auf den mehr oder weniger weiten und beschwerlichen Pilger-Weg nach Behnkenhagen (bei Rostock) begeben, dann hat dies mit Sicherheit gleich mehrere Gründe! Keineswegs ist es nur die tolle Festivalatmosphäre, die packende Livemusik, die zum Bade lockende Ostsee, das extrem preiswerte Bierchen oder die alle Jahre wiederkehrende unterhaltsame Polizeikontrolle auf der unentwegten Suche nach versteckten Drogen/Rauschmitteln oder Stimmungsaufhellern. Nein, es ist alles in allem die Kultcharakter entwickelnde Mischung sämtlicher Faktoren, welche das selbsternannte \"größte Punkerfest der Welt\" so einzig(un)artig macht. Auch in Sachen Vielseitigkeit ist das Open Air mit der Möwe im Logo vorn mit dabei, denn neben Punkrock in verschiedenen Sprachen gehen hier noch Hardcore, Folk, Crossover, Rock´n´Roll Reggae, Ska und andere stilistische Spielarten so blutdrucksteigernd über die Bühne und durch die Boxen, dass der Backfisch in der Räucherkammer steppt!

Donnerstag, der 24.07.

Schon am Abend zog eine lange Formation buntgescheckter Fans aus allen vier Himmelsrichtungen von den Zubringerbahnhöfen auf die riesige Fest- & Camping-Wiese, teilweise mit zum Gepäcktrolly umfunktionierten Einkaufswagen des Rövershagener Supermarktes, oder persönlich bepackt mit Zelt-Schlafsack-Rucksack-Kochgeschirr-Kompletthaushalt... Dieses Jahr waren es insgesamt 6000 Klang-Abhängige, die dem Ruf der inneren Live-Sehnsucht und dem festivalverursachten Herdentrieb folgten, um sich mit 37 Bands in drei Tagen die dezibel-gesteuerte Rundherum-Dröhnung zu verpassen. Was Vollblut Punk Imre Sonnewendt und Veranstalter-Kollege Rimbert diesmal an musikalischen Überraschungen zusammengestellt hatten, genügte (wie immer) höchsten Party-Ansprüchen! Die Bands wechselten sich wie gewohnt auf Haupt- und Zeltbühne ab, ohne das Überschneidungen stattfanden. Verspätungen im Zeitplan gab es keine, organisatorisch/ inhaltlich lief alles wie am Schnürchen.

Freitag,der 25.07.

Der Startschuss am Freitag wurde 15.15 Uhr im Zelt (bei herrlichstem Sonnenschein) von USK abgefeuert, einer Deutschpunk-Formation aus dem Schwarzwald, mit deftigen Pogonummern wie Marionetten, Ego, Freund + Feind oder Wilde Horden.

Auf der Hauptbühne ging es mit ZSK deutsch- und englischsprachig weiter, mit engagiertem Klangmaterial wie Disst Die Faschisten, Dare To Revolt, auch für einige hörenswerte Voversongs a la If The Kids Are United blieb noch Zeit, beim 45 minütigen Set.

Die männlichen The Go Faster Nuns aus Bamberg legten anschließend bei atemberaubender R´n´R-Performance ein umwerfend hochmotiviertes Set hin, das keine Wünsche offen ließ. Bei Crying, Snake It, Luck Of Love, Peppermint Petty oder Sunshine Song kollidierten geile Rock´n´Roll-Riffs mit krachigem Speed-Punk. Alle vier Musiker begeisterten durch beispiellose Live-Intensität. Ihr aktuelles Teufelswerk namens Teenage Love Beats sei hiermit allen Partyfreaks ans ungestüme Herz gelegt!

Bei Smoke Blow aus Kiel brachte der Frontmann seine Bandkollegen jeweils einzeln mit der Frage \"Auf wen bist du sauer?\" in die richtige Hass-Stimmung, bevor die Jungs mit aggressivem Hardcore per Hate-Kill, White Powder, Circle Of Fear oder Police Robocop gebündelte Energien entfesselten.

Für The Strikes war der 25.07. wohl nicht so ganz ihr Tag, denn die normalerweise motiviert nach vorne losgehenden Punkrock-Undergrounder aus Berlin wurden bei Jedem Das Seine, Seelenbrand, Schädel, Der Mond, Im Osten etc. nicht so warm, wie man es sonst von Zocker (Vocals) und seinen Kumpels gewohnt ist.

In Sachen Oi hielten Loikaemie die Punkrock-Flagge hoch, mit Alles Was Er Will, Good Night White Pride, Ihr Für Uns Und Wir Für Euch kam Stimmung auf.

Frontkick (die neue Formation vom Ex-Scattergun-Gitarristen) heizten mit Outlaw, 36 Guns, See You Die, Let´s Go, Perdido oder Our Sound gut weiter, Publikum und Punklady Patty (Frontfrau der leider aufgelösten Scattergun-Formation) zeigten sich beeindruckt.

Was Mad Sin ab 20.30 Uhr auf der Hauptbühne in Punkto Rock´n´Roll-Outfit und performerischem Können boten, traf ebenfalls genau den Geschmacksnerv des ständig anwachsenden Abendpublikums. Mit Riesen-Tolle und unwiderstehlichem Posing-Style ging es hier per Zeitmaschine rasant back to the 60´s.

Die Stage Bottles punkrockten weiter dass die Schwarte krachte, auf der Playlist standen Nummern wie Hooligan, Come Together, Antisocial, I Live My Life, Good Luck.

Nach sieben Jahren Mimi´s-Bühnenpause regelrecht gewundert haben sich die vier Stimmungskanonen aus Bremen über die schier unglaublich positiven Publikumsreaktionen vor der Hauptbühne. (So als wäre für die Herren und Damen um Wirbelsturm Fabsi die Zeit stehengeblieben.) Der Old-School-Punkrock der Mimi´s schlug ein wie eine Granate, kritisch, ironisch und wunderbar nostalgisch, mit konstruktiver Kritik an Kirche und Staat.

Die Niederländer Antidote zelebrierten im Zelt ihren Hochgeschwindigkeitspunkrock ebenfalls mit der nötigen Hingabe, was bei Mitgeh-Nummern wie New Enemy, Keine Arbeit, Let´s Get Drunk, My Life oder I Don´t Care glaubwürdig rüberkam.

Nicht nur klanglich hundertprozentig bei der Sache, sondern auch textlich extrem engagiert zeigten sich Conflict (GB) 0.00 Uhr auf der Hauptbühne. Die politisch/gesellschaftlich wachen Lyrics prangerten Missstände kompromisslos an, mit kämpferischem Idealismus und cleverer Weitsicht. Ob There´s No Power Without Control - ein Song gegen den Überwachungsstaat - (die gleichnamige CD ist ein Meilenstein!) oder Now You´ve Put Your Foot In It - gegen Massentierhaltung - , ob A-Team, Carlo Guiliani, Fouth & Mouth, No More Excuses oder Somebody Soon, hier wurde alles angesprochen, was die moderne Zivilisation so verachtenswert macht. Bleibt noch, den sympathischen Briten mitreißende Rhythmen und klasse Melodien zu bestätigen, - insgesamt durchweg oberstes Niveau!

Den Betthupfer aus adrenalingeladenem Plastik-Punkrock lieferten The Vageenas aus Düsseldorf. Babette Gierig (die kleine agile Frontfrau mit rosa Schüttelfrisur) briet den wachgebliebenen Fans bis 2.00 Uhr früh mit Gitarrist Rene, Basser Marc und Drummer Sys die Birne weich, bei tempolastigen Sounds. We Are, I Will, 2 Fingers, Ugly, Useless, allesamt noisig durchwachsen und angenehm räudig!

Samstag, der 26.07. 

Obwohl sich ihr Bassist 15.15 Uhr on stage noch mehr oder weniger im Halbschlaf befand, lieferten die Scallwags aus sunny Schweinfurt eine sehenswerte Rock´n´Roll-Show (gelegentlich durften dezente Reggae- oder gar Country-Einflüsse mitschwingen). Mit mehreren Bieren zum Bühnen-Frühstück powerten Songs a la Captive Mind, Randy, Fuck You, Get Out oder last but not least Pretender wie geölt durch den Äther. Gesanglich wurde der Frontmann (trotz technischer Probleme am Drum-Mikro) vom Schlagwerker tatkräftig unterstützt, launige Refrains und punktgenaue, kurze Nummern machten fit für den zweiten Festivaltag.

Rock-orientierten Punk mit Bläserfraktion zauberten SFH aus dem Neandertal bei Düsseldorf und wühlten damit richtig Staub auf vor der großen Hauptbühne. Tanzende Körper und grinsende Gesichter, wohin das Auge blickt... Bei Sportschau, Last Chance, Stuck, Central Station, 27 Years, Boxer oder All I Do tobte der Pogo durch die Massen. Nachdem Jansen und Erik (Trompete), Eis (Gitarre), Fab (Bass/Vocals), Gally (Drums), Bart (Gitarre) das bunte Publikum mit Punk-Riffs und Off-Beats gut durchgemischt hatten (ihre aktuelle CD heißt übrigens Givin´ Up Food For Punk) gab´s im Zelt von Bitume noch eine weitere Portion Punkrock auf die hitzedurchweichte Rübe. Die Oldenburger Jungs U:W: (Bass/Gesang), T.Tom (Drums), Lady Brady (Gitarre/Gesang) und Donfilipo (Gitarre/Gesang) packten deutschsprachige, kopfzerbrecherische Lyric in gut durchwachsene Punkerei. Auf dem 2003er Force Attack lagen Bitume bei den Zuhörern gut im Kurs.

No Respect (lupenreiner Ska) hatten in diesem Jahr (nach ihrem Triumph 2002 in Behnkenhagen) nun auf der Hauptbühne das ungetrübte Vergnügen. Die Göttinger wurden auch diesmal an der Ostsee so herzlich gefeiert wie sie selbst das tanzende Publikum genossen. Nach Longplayern wie Excuse My Smile, Tunes Of Decline und Confidence eilt den Party-Garanten ihr guter Ruf stets voraus. Loose It All, 1 Out Of 5, It´s Up To Us, We Stand Alone oder Hold On gingen runter wie Öl...

Aus Karlsruhe angereist waren die hartgesottenen Psycho-Rock´n´Roller von Up To Vegas. Dr. F. (Vocals), Shaft (guitars), Ace (Drums) und Carlos (upright bass) um das Zelt mit kultigem Sound und appetitlichem Mitgeh-Rhythmus vortrefflich bei Laune zu halten. Theatralisch untermauert erhöhten Monitor-Shaker wie Voodoo Truckin (der Titelsong des aktuellen Albums) die durchschnittliche Herzschlag-Frequenz im Zuschauerbereich um ein erhebliches... Monströse Lebenslust grassierte bei Gitarrenbrechern wie Plastic Divine oder Love Addict, hier stimmte einfach alles!

Die Argies aus Argentinien präsentierten sich mit straightem Rock-Material (Senaies Difusas, Sin Nada oder La Espera) ebenso ansprechend wie mit knackigen Cover-Varianten von Fuck The Law und anderen.

Lousy knüppelten sich unterhaltsam durch korrekte HC-Rock´n´Roll Orgien a la Last Orders, Carnival Of Vanity, One Of The Ugly, Better Days, City´s Char oder Stay Lousy, routiniert und professionell.

Die Schnitter gehören auf dem Force Attack bereits zum Inventar und trotzdem ist jeder einzelne Gig der Kasseler Folk-Punkrocker ein Erlebnis, das man nicht so schnell vergisst! Packende Melodien, emotional bis politisch engagierte Texte und glaubwürdige Statements machen die trotz ernster Inhalte abtanzwütigen, historisch fundierten Punkrocknummern zu Standpunkt-Bekenntnissen allererster Güte! 2003 durften Kathrin (Violine, Gesang) Ralf (Gesang, Gitarre) Tino (Schlagzeug) und ihr neuer Bassist (der früher bei Die Wahrheit tieftönte) erstmalig anstatt des Zeltes die Hauptbühne rocken, was den vier Klang-Animateuren publikumswirksam gelang. Eine ganze Stunde folgte mit Ulmer Totentanz, Die Gedanken Sind Frei, Die Weber, Pipi Langstrumpf, Die Moorsoldaten, Studententrinklied, Tanz Den Widerstand, Mein Gefängnis oder Fegefeuer ein Ohrwurm auf den anderen, die eingefleischten Fans vor der Bühne sangen sich ebenfalls die Seele aus dem Leib! Am Rande erwähnt sei noch, dass Die Schnitter ihr schauspielerisches Talent auch in einem neuen low budget Videofilm namens Die Waldbewohner ausleben, in dem es um die kritische Sicht auf das eigene \"Ich\" geht, das heißt darum, sich selber zu hinterfragen. Die Musik im Clip stammt unter anderem von den Schnittern, aber auch von Szene-Kollegen wie Across The Border...

Mr. Burns gingen ab wie die Luzie, mit überdruckmäßig rockendem Punkstyle und englischsprachigen Texten. Working Like A Slave, Surfing Wallace, Nothing Left To Loose, Pull The Trigger gingen unverdünnt ins Blut.

22.15 Uhr regierte die Terrorgruppe auf der Mainstage. Die textlich wie stilistisch gnadenlosen Berliner, welche gerade ihr 10jähriges Band-Jubiläum erfolgreich hinter sich gebracht hatten, machten die Bühne mit wild zusammengewürfelter Trash-Art-Deko (Plüsch-Adler, Bruce Lee-Poster, Punk-Umerziehungs- Computer und anderem einem riesigen anarchistischen Teenie-Zimmer gleich und zündeten zusätzlich eine Pyro-Show, die selbst Rammstein vor Neid erblassen lassen dürfte! Nazis Im Haus, Mein Skateboard Ist Wichtiger Als Deutschland, Der Rhein Ist Tot, Allein Gegen Alle, Sozialer Misserfolg, Zugaben wie Make Sex Not Love und letztendlich Wir Müssen Raus machten den Hund in der Pfanne verrückt...

Lady Godiva lieferten die ultimative Irish-Folk-Party-Invasion schlechthin, One Whiskey, Bleeding Scarves, Black Glory, The Cow, In God We Trust fielen im Zelt auf fruchtbaren Boden.

Nummern wie Flieger Grüß Mir Die Sonne, Hurra, Hurra Die Schule Brennt oder Für Mich Soll´s Rote Rosen Regnen haben Extrabreit längst zur NDW-Legende gemacht und zünden heute, nach mehr als über 20 Jahren noch genauso gut wie damals. Auf dem FA-Gelände jedenfalls hätte am Samstag keine Stecknadel mehr zu Boden fallen können. so dichtgedrängt standen Tausende, glücklich singend und alkoholpegeltechnisch (extra)breit. Kai Havai und Verstärkung rockten Jeden Tag, Jede Nacht so Hart Wie Marmelade oder der Lottokönig voller Ruhm mit Joachim Muss Härter Werden in den siebenten Punkrock- Himmel, doch Nichts Ist Für Immer und so fand nach einer vollen Stunde Extrabreit die Show der agilen Nostalgie-Helden per Sturzflug und anderen Highlights ein heroisches Ende!

The Heroines beschlossen in dieser Nacht von 1.15 bis 2.00 Uhr das Programm, wenn auch nicht sonderlich rühmlich. Punkpop-Songs wie Rock´n´Roll Boy, Dogs, Cigaretten, Backstage, What I Want oder Bore fehlte der nötige Drive und sonderlich singen konnten die zwei Girlies des Vierers auch nicht. Zeit ins Zelt zu kriechen um für den dritten Festivaltag gewappnet zu sein...

Sonntag, der 27.07

Heißa, auch heute blieb es den ganzen Tag über warm und trocken, auf das glasklare Wasser in der Ostsee und auch auf die Polizeikontrollen konnte man sich verlassen!

15.15 Uhr hieß es für Soko Durst aus Chemnitz Mal Wieder Unterwegs. Deutschpunk (melodisch und rattenschnell), gespickt mit publikumstauglichen Mitmach-Refrains über Schnorrer, Psychiatrie-Patienten und Exoten. Auch bei dieser Band kriegte der Sänger stimmliche Verstärkung vom Schlagzeuger.

Betontod aus dem Ruhrgebiet waren bereits beim Soundcheck gut gefeiert worden und zogen 16.00 Uhr auf der Hauptbühne sämtliche Gitarren- und Text-Register. Lyrics wie \"Wer sich nicht bewegt spürt seine Ketten nicht...\" machten Lust auf genaueres Hinhören, Titel wie Angst, Ich Will Hier Raus, Der Letzte Weg, Freiheit In Ketten, Generation X oder Sumpf wirkten besser gegen Nachmittags-Kater als Hering-Essen oder Weitersaufen, die Stimmung vor der Bühne war genial.

Projekt Kotelett mischten Party-Punk mit Rock´n´Roll, was dabei herauskam waren Sound-Steaks a la Russisches Roulette, Pogo Verbot oder Wiso,- locker aus dem Handgelenk geschüttelt.

Hammerharten New York Hardcore propagandierten die tobsüchtigen Wutbrocken von Repulse. Dass der deftige Ami-Style in Salzgitter gut gepflegt wird, war bei Blood Vs Blood Revelation, Hatesperm, Rush Hard, Sure You Know, Upright Down nicht zu überhören. Bemerkenswert war es schon, wie Repulse selbst skeptische 100%-Punker aus der Reserve zu locken verstanden!

Den absoluten Overkill in Sachen Hardcore starteten die Hannoveraner Recken von Adjudgement im Zelt. Die eingeschworene Gemeinschaft der Fünf versprüht seit Jahren ein Konglomerat aus spielerischer Kompetenz, gnadenloser Kompromisslosigkeit und energetischer Kettenreaktion. The Obituary Of Happiness, Frostline, War Is A Market, Pompous Ass, The Indifference und nicht zuletzt Acceptance & Whom Can We Trust, bei so viel explosiver Schnellkraft-Energie blieb so manchem Beobachter in Behnkenhagen schlicht die Spucke weg und das Fischbrötchen im Halse stecken!

Da der 19.00 Uhr-Gig von NVU entfiel, sprangen die Rostocker The Crushing Caspars kurzentschlossen ein, um die entstandene Programm-Lücke last minute zu füllen. Selbiges gelang dem liebenswerten Hartwurst-Quartett dann auch mit Bravour. Klar, waren die Caspars schon auf etlichen vorangegangenen Force Attack´s dabei, aber solche HC-Rock´n´Roll Gassenhauer wie Provocation, Strychnine, Time To Go kann der gestandene Musikfeinschmecker nie oft genug auf der klanglichen Speisekarte haben!

Als Überraschung in Sachen Rostocker Szene-Output outeten sich die Crossover-Profis C.E.C. in Behnkenhagen. Wandlungsfähiger, ausgereifter Gesang, harte und dennoch melodische Soundkreationen voller Dynamik und Abwechslungsreichtum verdienenden Hinhorchern.

Richtig ausleben konnten sich auch die Hessener von ACK (Allgemeines Chaos Kommando), welche im Vergleich zum Vorjahr von der Zelt- zur Haupt-Bühne aufsteigen durften und diese Chance phantastisch nutzten. Baskenland, Achterbahn, Wut, Opfer Des Krieges, Vorstadtrebell, 1933, Falsche Freunde, genau so sollte Stellung beziehender HC-Punk klingen!

Direkt aus dem Vorharz angereist waren die Quedlinburger Party-Giganten Isolated, die nunmehr bereits ganze 10 Jahre erlebnisreiche Bandgeschichte auf dem Buckel haben, von einigen Besetzungswechseln mal abgesehen. Beim diesjährigen Force Attack kamen die fünf Gute-Laune-Monster endlich mal in Behnkenhagen zum Zuge und legten soundtechnisch alles in Schutt und Asche, klanglich noch fetter und brachialer als gewohnt! Die Punk-Fraktion vor der Bühne mutierte zur hingebungsvollen R´n´R-Gefolgschaft und gab den Sachsen-Anhalter Dauergrinsern schweißtreibend sämtliche Energie-Entladungen zurück, die von der Bühne herüberkamen. Partytime, Blood,Sweat & Beer, Wonderful World oder Shit In Your Pants, oder aber auch das Ostrock-Cover der Rockerrente (auf HC gemünzt) brachten die kultige Atmosphäre bis 23.15 zum Kochen und sorgten für wilde Posing/Tanz-Exzesse vor und auf der Zeltbühne.

Bei Daily Terror aus Braunschweig zeigte sich Fronter Pedder im Vergleich zum 200er FA-Auftritt nicht nur nüchterner, sondern auch textsicher (selbst wenn man bei Daily Terror generell absolut textfest sein muss,, um seine akustisch schwer zu verstehenden Lyrics zu entschlüsseln). Die Fans waren ohne Zweifel happy und auch die anderen Bandmitglieder legten sich kräftig ins Zeug. Ein umfangreiches Programm von Apocalypse , Bundeswehr über Todesschwadronen , Zeitbombe , USA bis hin zu Klartext , Hungrige Träume und Europa ließen die Zeit wie im Fluge vergehen.

Kräftig getanzt wurde dann wieder bei Scrapy aus Passau, welche nochmal die letzten Kraftreserven aus den Durchhalte-Gästen pressten, mit Ska,Ska,Ska, Local Pub, Street Politics, Where Did You Go, Skinheadboots & Reggae. Superguter Ska der rockte, wie Schmitt´s Katze!

Klasse Kriminale (Italien) pendelten zwischen italienisch- und englischsprachigen Punkrocksongs. I´m A Junkie, Zombie oder Security World verstanden die Menge vor der Hauptbühne zu später Stunde noch zu begeistern, obwohl die Songs nicht besonders ausgereift, sondern eher plakativ und recht simpel gestrickt waren, selbst die Performance wirkte mittelmäßig.

Umso mehr lohnte sich das Wachbleiben dann für die Cover-Fachleute von 1982 aus Bonn, die mit grandioser Live-Energie und emotionalem Großkaliber mit einem breitgestreuten Querschnitt durch die Szene-Highlights (von Razzia usw.) so manchen Zuschauer in pure Verzückung stürzten.

Als das siebente Force Attack dann gegen 2.00 Uhr morgens endgültig für dieses Jahr die Segel strich, hatten 39 Bands (bis auf ganz wenige Ausnahmen) erstaunlich hochkarätige Arbeit geleistet, das allgemeine Klang-Niveau lag somit hoch über dem Durchschnitt, bleibt unterm Strich also nichts zu meckern!

Andrea Göbel


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