German Rock e.V. | Das Online-Archiv der Deutschen Rockmusik
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Festivals in 2004

10 Jahre Music Hall Worpswede 2004
Alive OA 2004
Animagic 2004
Astan 2004
Balver Höhlenrock 2004
Bang Your Head 2004
Blues Rock & More Open Air 2004
Bonenkai 2004
Burg Herzberg 2004
Einweihung Rock n Pop Museum Gronau 2004
Fehmarn Open Air 2004
Herzberg goes Wilhelmsthal 2004
Krautrock Festival Niederwürzbach 2004
Krautrockpalast 2004
MDO Gaming Convention 2004
Mera Luna Open Air 2004
Open Flair 2004
Polo-Rockfestival 2004
Rock Hard Festival 2004
Taubertal 2004
Varus Open Air 2004
With Full Force 2004

Astan 2004


ASTAN 2004

Münster (Westf.), Cultura, 12.6.2004



Ein kleiner Hindernislauf war es, bis ich in der Location ankam, denn leider war auf der Festivalseite weder eine Email-Adresse noch eine Telefonnummer genannt.

 

Auf das Event bin ich in Visual Kei - Forenn wegen der japanischen Band Eve Of Destiny aufmerksam geworden, allerdings viel zu spät, um rechtzeitig mit dem Veranstalter in Kontakt treten zu können. Also, auf gut Glück im strömenden Regen hingefahren und auf Fotoerlaubnis gehofft. Natürlich ergaben sich vor Ort die üblichen Verzögerungen. Einlass war eine halbe Stunde später als vorgesehen. Dafür spielte das Wetter wenigstens so weit mit, dass wir während der Warterei im Freien nicht nass wurden.

 

Die Gespräche der Konzertbesucher während des knappen Stündchen Herumlungerns konnte man als eben so aufschlussreich bezeichnen wie ihr schon von weitem sichtbares Styling. Schwarz ist zwar sowohl bei Gothern wie bei Visuals ziemlich beliebt. Haare in pink, knallrot oder violett, dazu Hide-Shirts und diverse Accessoires deuteten jedoch eher darauf hin, dass die Meisten nicht wegen des Headliners hierher gekommen waren...


Der Einlass gestaltete sich dann so unkompliziert wie nur möglich. Acht Euro für vier Bands sind ein konkurrenzlos günstiger Preis. Stempel auf die Hand. Rein in die gute Stube. Auch der Pressezutritt wurde ad hoc genehmigt. Dafür Dankeschön an die Kollegen vom Astan Magazin, die dieses Event veranstaltet hatten.

 

Drinnen standen schon New Days Delay auf der Bühne, um ihren Space Punk, oder - wie sie es selbst nennen - \"spooky surf goth´n roll\" durch die Boxen zu jagen. Es klang anfangs ein wenig quietschig. Mit wachsendem Zuspruch von Seiten des Publikums schienen die drei Mucker und ihre Frontfrau jedoch aufzublühen. Was machten da schon ein paar Pannen um entstöpselte Mikrofonstecker aus? Der an Tito & Tarantula erinnernde Gitarrensound rockte ordentlich, der Track Japanimation passte sprichwörtlich wie die Faust aufs Auge und ohnehin waren New Days Delay schon rein optisch eine Bereicherung im Vorprogramm von Eve Of Destiny, so dass Beifall keine Frage der Höflichkeit darstellte.

 

Grell visuell enterten auch VaNi im Anschluss die Bretter. Der Rocker in mir runzelte erst mal die Stirn ob der - nennen wir es mal seltsamen - Aufbauten, die während der Umbauphase auf die Bühne geschleppt wurden. Keine Drums, keine Gitarren, dafür ein Bügelbrett (!), HiFi-Equipment, Großmutters Kaffeetassen (!!), Synthies und drei Mikros. Na das kann ja was werden...

 

Wurde es auch. Vollelektronisch. Spacig. Abgefahren - in jeder Beziehung! Nennt es Elektropop oder \"Neue Avantgarde-NDW mit englischen Texten\". Tragikomische Lyrics treffen auf synthetische Beats, kitschige Kostüme und puppenhaftes Stageacting. Du weißt nicht mehr was du denken sollst und vielleicht ist es gerade deswegen so einfach gewesen, sich in der Musik fallen zu lassen. Nach einer Handvoll Songs viel zu früh beendet, auch wenn alle, einschließlich mir, auf Eve Of Destiny warteten.

 

Deren Eintreffen verzögerte sich aus mir unbekanntem Grund. Der Soundcheck dauerte dafür nur einige wenige Minuten. Minuten allerdings, die im Zeichen heftiger Blitzlichtgewitter standen, denn die überwiegend weibliche Fanschar wollte Közi sehen, den Ex-Gitarristen der Ende 2000 aufgelösten japanischen Visual Kei Gruppe Malice Mizer. Der Mann ist Kult. Er hat Musikgeschichte geschrieben und jetzt auf Armlänge vor ihm zu stehen ist schon irgendwie ein tolles Gefühl, auch wenn ich inzwischen genug vom Biz gesehen habe, um noch Irgendwen für einen Gott zu halten.
Wie die sonst eigentlich immer kreisch- und knuddelwütigen Fans das sahen, weiß ich nicht. Allerdings hielten sie sich an diesem Abend ein bisschen zurück, nachdem der Veranstalter Konzertabbruch angedroht hat, falls jemand die Bühne betritt.


Frontmann und Gründer (1993) der Formation, Haruhiko Ash (ex-The Zolge) und Közi konnten also ungestört ihre Geräte einstöpseln, um loszulegen. Keine Drums, keine Gitarre, kein Keyboard. Nur Gesang, Synthie-Gitarre und Konserve. Mit Malice Mizer hat das Ganze bis auf ein paar Licks und Riffs nichts mehr zu tun. Ich würde Eve Of Destiny mal ganz grob unter Industrial einordnen, aber diese Schublade sagt nicht viel über den eigenwilligen Stil der Band aus. Man muss den Japanern neidlos zugestehen, dass sie einen wesentlich unverkrampfteren Umgang mit etablierten Genres pflegen, was wohl mit ein Grund dafür sein dürfte, warum europäische Ohren sich mit deren Sounds so schwer anfreunden.


Das Publikum heute Abend ist jedoch 100% darauf eingestellt. Frenetischer Jubel schallt den beiden Musikern nach jedem Song entgegen. Als sie schließlich ihr Set beenden, will niemand \"Zugabe\". Auch kein \"We want more\". \"Mo ichido!\" schreien sie alle. Fast der ganze Saal. Sie tun es minutenlang, lautstark, bis endlich endlich noch mal abgerockt werden darf.

 

600 Leute passen schätzungsweise ins Cultura. Nicht ganz zur Hälfte war die Halle während Eve Of Destiny befüllt. Beim nominellen Headliner Dead Turns Alive waren es noch 20 Personen vor der Bühne. Eigentlich ziemlich traurig für die Electro-Gother, denen bestimmt eine Enttäuschung erspart geblieben wäre, hätten sie vor Eve Of Destiny gespielt. Sobald Közi und Ash jedoch von den Brettern runter waren, lauerten ihre Fans auf die versprochene Autogrammstunde mit Merchandiseverkauf und hatten kein Ohr mehr für Dead Turns Alive über. Mich fragt ja keiner, aber ich hätt\'s vorhersagen können. Eve Of Destiny touren im Gegensatz zu anderen J-Rockern zwar relativ häufig bei uns. Selten genug ist es trotzdem, wenn man ihren Kultstatus bedenkt. Die Fans machen sich in diversen Foren schon früh gegenseitig scharf auf die Gigs und reisen dann gleich in Gruppen an. So stehen sie also auch diesmal bis weit jenseits des Dead Turns Alive Auftritts dicht gedrängt um die Theke herum, an der die Japaner den Edding schwingen. Und wenn die nicht gegangen sind, dann stehen sie da noch heute.


Jürgen Hornschuh

 


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