German Rock e.V. | Das Online-Archiv der Deutschen Rockmusik
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Festivals in 2008

Avantgarde Festival 2008
Bang Your Head 2008
Burg Herzberg Festival 2008
Deichbrand 2008
Entrée Festival 2008
Fehmarn Open Air 2008
Force Attack 2008
Open Flair 2008
Rock Für Barock 2008
Rock Of Ages 2008
With Full Force 2008
Wuppertaler Krautrock Open Air 2008

Avantgarde Festival 2008

Schiphorst - 04.06.2008-07.06.2008


Um es gleich vorweg zu nehmen: Eine komplette Einzelbeschreibung ALLER Beteiligten sowie ihrer Musik / ihrer Auftritte wird es hier aus folgenden drei Gründen nicht geben:
Erstens werden wohl nur Leser / Kenner / Liebhaber der Avantgarde-Szene jeglicher Couleur mit den Namen der auftretenden Künstler etwas anfangen können, zweitens ist hier auch nicht der Platz für akribische Einzelbeschreibungen von fast 50 Mitwirkenden vorhanden, und drittens gibt es sowieso auch diesmal wieder viiiiel Interessantes rund ums Hauptprogramm...(Trotzdem wird der Bericht noch lang genug werden, und natürlich werden auch diverse Akteure dieser drei Tage ihre Erwähnung finden.)

Freitag 5.Juli:
Gegen 11 Uhr 30 setzen Uwe Schumacher und ich uns von Syke Richtung Hamburg in Bewegung. Jeder mit seinem eigenen Wagen! Bescheuert? Normalerweise schon, doch Uwe hat einerseits keinen Bock, im Zelt zu pennen, und andererseits hat er mit Rei Myazaki (Bassistin von Marble Sheep) schon vor ein paar Tagen telefonisch vereinbart, dass er sie eventuell Samstag aus der Hamburger Umgegend abholen muss. In den letzten drei Jahren haben wir es tatsächlich nicht geschafft, einmal pünktlich in Schiphorst, Steinhorster Weg 2 zu erscheinen, da die A 1 und alle weiteren Straßen vor und rund um Hamburg absolut \\\\\\\"verstaut\\\\\\\" waren. Und auch diesmal brauchen wir geschlagene drei Stunden 30 Minuten für knapp 170 Kilometer! Doch wir sind endlich mal pünktlich, sogar überpünktlich.

Und im Übrigen nicht die Einzigen, die das Schicksal eines Staus ereilte: Die Gruppe S/T kommt aus Frankfurt, und... \\\\\\\"Bis kurz vor Hamburg ging alles gut, aber dann...\\\\\\\" Ganz nebenbei treten mir die Jungs noch lächelnd symbolisch auf die Füße mit: \\\\\\\"Wo bleibt eigentlich Dein gedrehtes Video von vor zwei Jahren??? Da haben wir immer noch Interesse dran...\\\\\\\" Scheibenkleister, bei der Menge Anfragen glatt verschwitzt.

Doch auch gerade wegen solcher Kleinigkeiten fühlt es sich schon beim Betreten des Bauernhofgeländes wieder an, als ob man nach längerer Zeit irgendwie \\\\\\\"zu Hause\\\\\\\" ankommt... Herzliche Begrüßungen a la \\\\\\\"Schön, dass Ihr wieder da seid. Fühlt Euch wie zu Hause, Ihr kennt Euch hier ja aus!\\\\\\\" durch Jean-Herve, der natürlich wie alle anderen Verantwortlichen voll im Stress hängt, erhöhen das eben genannte Feeling.

Außer (natürlich) J-H und Carina sowie Zappi und Susanna werden uns an den kommenden 3 Tagen jede Menge Bekannte aus den letzten Jahren über den Weg laufen. Wie sagte J-H früher schon mal treffend über sein Festival: \\\\\\\"It´s a family Affair.\\\\\\\" Überall sieht man freundliche Gesichter, unter anderem Frauen, Freundinnen, Kinder, Enkel der Veranstalter und Musiker, oder auch die Belegschaft vom www.Rockradio.de, (die fast das komplette Festival live im Netz überträgt), Geoff Leigh (musikalischer Dauergast bei diesem Festival), Ken Matsutani (Marble Sheep Gitarrist und Captain Trip Labelinhaber) und... und... und... Selbst Hausschwein Lily lebt noch, immerhin schon betagte 13 Jahre alt.

Gegen 18 Uhr eröffnet das Flensburger Duo Kommissar Hjuller und Mama Bär mit einer völlig abgedrehten 45 Minuten Version des 60er Jahre Top Ten Hits The Lions Sleeps Tonight das Festival. Ganz starker Tobak schon gleich zu Beginn.. Meine persönlichen Favoriten des ersten Tages sind die Dresdener Musiker von Stahlquartett. Eine musikalische Beschreibung ist nicht richtig möglich, es geht in Richtung Streichquartett mit sehr interessanten Instrumenten / Stahlplatten / Stahlcello (?) und hört sich verdammt gut an.

Beim Auftritt des Duos Incite gegen 1 Uhr erwischt es mich dann urplötzlich.
Da ich schon sehr früh morgens aufgestanden bin, überfällt mich eine bleierne Müdigkeit und ich verzieh´ mich in meinen Bulli auf dem nahen Parkplatz zum Matratzenhorchdienst - Wat mutt dat mutt.

Samstag, 05. Juli:
Der Tag wird schon mal vom Sonnenschein her ein richtig guter, denn Hugo pickt schon am frühen morgen durchs Bullifenster! Also aufstehen, ab zum Frühstück und mal schauen, was danach musikalisch so abläuft.

Eröffnet wird der frühe Nachmittag durch den Gitarristen Brian Mitchell. Wie sagt J-H kurz vor dem Auftritt über ihn: \\\\\\\"Er spielt eine sehr abstrakte Gitarre.\\\\\\\" Dem ist meinerseits nichts hinzu zu fügen. Es folgt ein jazziger Chad Popple an den Drums mit seinen beiden Mitstreitern am Kontrabass und am Piano, und Animat sind eine Band, die im Großen und Ganzen ziemlich staighte Rockmusik rüberbringen.

Zwischendurch gibt es außerhalb der Veranstaltungsscheunen natürlich wieder Einlagen wie Sambatänzerinnen und Sportler, die einzeln wie auch gemeinsam ihre Künste zeigen. (Sambarellas & Capoeira) Nach geraumer Zeit vermischen sich allerdings bei immer noch strahlend schönem Wetter beide Gruppen zusammen mit Teilen des Publikums und der anwesenden Musiker zu einem großen Samba-Tanz-Ensemble.

Wem dies sowie die weiteren musikalischen Darbietungen noch nicht reichen, der kann sich unterm Dach oder im eigens hergerichteten \\\\\\\"This is not a Cinema\\\\\\\"-Kleinraumkino diverse Filme ansehen, unter anderem auch von den französischen Filmemachern, die J-H extra für dieses Festival hat kommen lassen und die - wie einige andere Fotografen und Videofilmer - die meiste Zeit des Tages damit verbringen, Künstler oder Impressionen aufzunehmen. Von den Franzosen stammt im Übrigen auch die DVD \\\\\\\"Ist FAUST schön?\\\\\\\". Eine Art Retrospektive über Jean-Herve´s und Zappi´s Band. Wirklich empfehlenswert.

In einem abgetrennten Teil des Haupthauses gibt es für die Jäger und Sammler unter den Besuchern und Musikern natürlich wieder diverse Stände mit Vinylscheiben, CDs, DVDs und Videos.

Wer möchte, kann sich an den drei Tagen auch seinen Bauch ganz ohne Operation vergrößern lassen! Das heißt, er darf ihn sich voll schlagen mit allem, was das Herz begehrt, vom Pfannkuchen über Schnitzel und Bratwürsten bis hin zu Nudeln mit Sauce, Wassermelonen und noch einigem mehr. Genauso abwechslungsreich sieht es bei den Getränken aus: Von Kaffee, Milch, Cola, verschiedenen Säften über Bier und Prosecco bis zu diversen alkoholischen Mixgetränken ist vieles vorhanden... und zwar zu absolut moderaten Preisen. Das mit den Preisen gilt ebenso für das täglich angebotene und ausgiebige Frühstücksbuffet.

Wieder zurück zur Musik:
Uwe braucht nicht extra los zu fahren, da Rei kurzfristig doch noch eine andere Mitfahrmöglichkeit gefunden hat und inzwischen eingetroffen ist.

Der erste Topact für mich sind heute Electrix Garden mit ihren Gästen Geoff Leigh (Saxophon und Querflöte) sowie Ken (Gitarre) und eben Rei (Bass) von der japanischen Gruppe Marble Sheep. Ein ganz starker Auftritt der Band. Doch die musikalischen Überflieger sind wieder einmal Faust.

In der heutigen Besetzung habe ich die Band noch nicht gesehen, beziehungsweise gehört. Unter anderem gehört jetzt eine weibliche Sängerin / Akkordeonspielerin dazu, und gerade sie, mit Namen Geraldine Swayne, sticht aus der Faust Gemeinschaft etwas mehr als die anderen Bandmitglieder heraus. Nicht zwingend, weil sie weiblich ist, sondern weil sie musikalisch enorm viel drauf hat. Mit ihr hat J-H einen ganz großen Fang gemacht. Geraldine spielt ihren Part in der Band, als wäre sie schon immer dabei.
Ansonsten alles wie gehabt: Natürlich spielen Faust nicht nur 45 - 60 Minuten, und natürlich gibt es auch wieder einen \\\\\\\"verrückten\\\\\\\" Österreicher namens Zappi Diermaier, der mit seiner Flex die Drums bearbeitet, (Funkenflug in der Scheune!!!) und natürlich gibt es da noch einen \\\\\\\"verrückten\\\\\\\" Franzosen namens Jean-Herve Peron, der durch die vom Publikum rappelvoll gefüllte Scheune mit der Kettensäge läuft und eine Blechtonne mit derselben bearbeitet, und natürlich ist es ein ganz starker Auftritt... und natürlich... und natürlich..., und trotzdem kommt mir der Gig am Samstagabend musikalisch ganz anders vor als die früheren Gigs, härter und druckvoller.

Gegen 23 Uhr 45 / 24 Uhr ist mit der Herrlichkeit leider Schluss, im Obergeschoss der Scheune treten jetzt noch Dach sowie drei weitere Künstler auf, doch nach diesem Faust Auftritt kann mich wirklich nichts anderes mehr vom Hocker hauen, den Auftritt muss ich erst einmal innerlich verarbeiten, und nach einer halben Stunde gehörtem Dach oben unterm Dach verschwinde ich Richtung Bulli.

Sonntag, 06. Juli:
Auch dieser Tag fängt wie der Samstag vom Wetter her ganz locker an, um dann am Abend doch wolkenbruchartig zu zeigen, was er sonst noch so drauf hat. Aber man muss ja nicht zwingend draußen bleiben, viel Programm läuft ja in den Scheunen ab.

Uwe fährt schon heute Nacht zurück nach Delmenhorst, da er morgen wieder arbeiten muss. Jetzt gibt’s bei ihm erste Befürchtungen, ob seinen PKW vom durchgeweichten Parkplatz-Feld überhaupt runter zu bekommen ist. Im Notfall muss eben Jean-Herve mit dem Traktor ran.

Auf der Bühne muss jetzt erst einmal Geoff Leigh mit seiner etwa 50 minütigen Performance ran - mein Favorit des Tages. Nach seinem Auftritt folgen noch einmal Dach mit Chris Cuttler an den Drums, und danach will Uwe die Biege machen. Der Wagen steht schon vor dem Haus an der Straße, hat alles geklappt. So kann J-H den Trecker stehen lassen... Da ich am nächsten Morgen auch nicht erst im Feierabendverkehr Richtung Bremen zurück möchte, trete ich mit Uwe zusammen die Verabschiedungsrunde (Jean-Herve, Carina, Rei, Ken...) an, lass die Kosmischen DJs ohne mich ihre Plattenteller drehen und geh´. In die Bremer Ecke will am nächsten Tag anscheinend keiner der Besucher, sonst würde an der großen Litfaßsäule auf dem Hof sicher ein Zettel mit der Bitte um eine Mitfahrgelegenheit in diese Richtung hängen. Dafür wollen allerdings einige Leute Richtung Kopenhagen oder auch eben nur um die Ecke nach Wladiwostok!

Wir haben Montag, und vieles, was außer dem Beschriebenen auf den Bühnen und nebenbei noch ablief, kann ich jetzt aus Platzgründen gar nicht mehr erwähnen, doch jeder, der nicht komplett konservativ vernagelt ist, sollte sich das Avantgarde jährlich dick in seinem Kalender anstreichen, selbst wenn nicht jede Band mit ihrer hier dargebotenen Musik oder auch nicht jeder der gezeigten Filme sein Fall ist. Allein das Feeling zwischen den Leuten und das ganze Drumherum sollte Anreiz genug sein, hier drei schöne Tage zu verleben.

Es gibt über den Sommer viele Events in Deutschland, sicher auch viele besser besuchte Festivals. Das Avantgarde ist natürlich ein Individualisten - Festival, Finanzieller Gewinn kann hier meiner Meinung nach nicht wirklich gemacht werden, jedoch kein anderes Festival läuft meines Erachtens so familiär und für diese Größenordnung mit so viel Drumherum ab wie dieses hier.

Auf welchem anderen Festival tippeln außer Hunden auch noch Katzen und ein Kult-Schwein zwischen den Zuschauern und Musikern herum? Mit viel Glück dürfte die diesjährige Veranstaltung finanziell sogar endlich mal Plus / Minus Null ergeben haben, denn laut Jean-Herves Überschlagrechnung fand sich die Rekordbesucherzahl von etwa 500 Leuten ein..

Danke an Alle, die wieder einmal zum Gelingen dieser drei wirklich tollen Tage beigetragen haben (welche leider erneut viel zu schnell vorbei waren)!

Im Anhang noch der Terminplan der musikalischen Vertreter mit den Uhrzeiten, wobei die Reihenfolge der Auftritte nicht immer genau eingehalten werden konnte.
Sollte alles normal verlaufen sind Uwe und ich im folgenden Jahr auf jeden Fall wieder anwesend! (Jetzt bereiten wir uns erst mal auf das nächste familienfreundliche Event in zwei Wochen vor und freuen uns wie jedes Jahr aufs Hippiefestival in Breitenbach / Burg Herzberg, auch wenn dieses in einer \\\\\\\"etwas\\\\\\\" anderen Größenordnung abläuft.)

P.S: Wer alle Einzelheiten über das Avantgarde- Festival und die daran beteiligten Veranstalter / Musiker / Performancekünstler erfahren möchte:
Unter www.avantgardefestival.de steht viel Wissenswertes.
Fotos und / oder weitere Infos gibt es unter www.myspace.com/Uwe_Grafik bzw. www.germanrock.de

HORST Krispien


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