German Rock e.V. | Das Online-Archiv der Deutschen Rockmusik
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Fehmarn Open Air 2008
Force Attack 2008
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Rock Für Barock 2008
Rock Of Ages 2008
With Full Force 2008
Wuppertaler Krautrock Open Air 2008

Fehmarn Open Air 2008

Fehmarn-Flügger Strand - 06.09.2008


FEHMARN OPEN AIR
Am Flügger Strand
06.09.2008


Jimi Hendrix ist jetzt knapp 38 Jahre tot, und fast genau so lange ist es her, dass er das letzte Konzert seines viel zu kurzen Lebens hier auf Fehmarn gab. Es war ein Konzert, welches in den meisten Hendrix Biographien unter \"ferner liefen\" oder \"hätte er besser nicht gegeben\" zu finden ist.

Wobei der musikalische Teil eigentlich gut war, wie die Bootleg-CD beweist. Nur die wetterbedingten Umstände und das ganze chaotische Drum herum waren nicht so prall, wofür aber Jimi nichts konnte.

Wie dem auch sei, da es im September 1970 hier auf Fehmarn sein letztes Konzert war und viele Ereignisse im Laufe der Jahre und Jahrzehnte den Weg der positiven und negativen Verklärungen gehen, gibt es seit 1995 auf einem Grundstück nahe des original Festivalgeländes die \"Jimi Hendrix - Gedächtnisfestivals / Memorialfestivals\"... oder wie auch immer man sie bezeichnen möchte.

Die Idee eines Festivals ist von Grund auf natürlich prima. Ich liebe Festivals, und wenn sie keinen Eintritt kosten, natürlich noch mehr. Allerdings sollte man als Besucher schnellstens von dem Gedanken wegkommen, das heutige Fehmarnfestival hätte auch nur in irgendeiner musikalischen Form etwas mit 1970 oder gar mit Jimi zu tun. Viel musikalisches Erbe des besten Gitarristen, der jemals auf dieser Erde weilte, kann ich hier beim besten Willen nicht finden. Um das alles irgendwie in Verbindung, in irgendeinen passenden Zusammenhang zu bringen, wäre es zum Beispiel passend, wenn die auftretenden Bands wenigstens ein paar Songs aus Hendrix´ unerschöpflichen Fundus abliefern könnten.

In den letzten Jahren waren etwa Randy Hansen oder auch More Experience dabei, aber heute sehe ich musikalisch keine größeren Top -Verbindungen zu Jimis Musik. Bei den Ausstellungsstücken, T-Shirts, Zeitungsartikeln und so weiter im großen Zelt sieht es schon etwas anders aus.

Neben Verkaufsständen für DVDs \"Jimi Hendrix auf Fehmarn\", Feuerzeugen, Aufklebern, Kaffeetassen, Schlüsselbändern und so weiter, und so weiter gibt es Stellwände mit Zeitungsartikeln von Jimis Ankunft, Aufenthalt und Abreise auf / von der Insel. Bücher wie \"Jimi Hendrix und der Sturm auf Fehmarn\" werden ebenso angeboten wie Jimi Hendrix T-Shirts, die bei den geschätzten 7000 Besuchern reißenden Absatz finden. Neben dem Zelt gibt es auf dem Gelände jede Menge Imbiss- und Getränkestände verschiedenster Art, auch Schmuck, Tücher, eine T-Shirt Druckerei und vieles andere mehr. Sogar ein Stand mit CDs... leider ohne Hendrix Scheiben!

Des weiteren sind ebenso Securitymitarbeiter, Feuerwehrbedienstete und Sanitäter auf dem Platz vertreten... gut zu wissen!

Da auch heute diverse Musiker, Veranstalter, Manager, Tontechniker und so weiter hier eintreffen werden, die wir schon seit Jahren kennen und mit denen wir uns immer mal wieder treffen, versuche ich erst einmal von Veranstalter J.J. Krohn zwei Presse / Photo / Backstage Karten für Uwe Schumacher und mich zu bekommen, was auch überhaupt kein Problem darstellt. Dafür vielen Dank, es erleichtert uns das \"Arbeiten\" ungemein. Bevor das Festival richtig anfängt, besuchen Uwe und ich erst einmal Anita und Klaus vom Rockradio.de, die das komplette Event übertragen.

Unter den Besuchern läuft mir auf einmal Peter über den Weg. Ihn hatten wir in Herzberg auf dem Festival kennen gelernt, und da er hier im hohen Norden beheimatet ist, lässt er sich das Fehmarn Festival natürlich nicht entgehen - genau so wenig wie 1970. Mit ihm marschier ich die Strecke zum Hendrix Gedenkstein auf dem alten Festivalgelände runter. Dort angekommen erzählt er mir erst einmal in allen Einzelheiten, wo genau die Bühne damals stand, der Backstagebereich war, welche Gebäude wo standen und von den Rockern in Brand gesteckt wurden und, und, und...

Am Gedenkstein treffen wir auf einen Mitarbeiter der Crew. Er hat ein paar anderen Besuchern den Weg hierher gezeigt, und mit ihm gehen wir danach langsam zurück zum Gelände. Auf dem Weg kommen wir so ins philosophieren über Musik, das Festival, das Leben an sich...

Schon am Stein war mir aufgefallen, wie unglaublich dünn er aussah, und fast nebenbei erzählt er dann, dass sein Leben bisher hauptsächlich aus Musik bestand, dass er auch schon 1970 dabei war und dass dies Jahr sein letzter Besuch hier sein wird - die Ärzte haben bei ihm vor zwei Wochen Lungenkrebs im Endstadium festgestellt - mit 56 Jahren. Scheiße...

Die heute hier auftretenden Künstler / Bands sind wahrlich nicht schlecht. Nach Special Guest, Crumb, Errorhead und Machine kommen die Hamburger Maks And The Minors auf die Bühne. Mit ihrem rockigen Stil bringen sie die Menge zum Tanzen und Hüftenschwingen. Ein mir bekannter Veranstalter hat mal sinngemäß gesagt: Wenn eine Band es schafft, die Leute in der hintersten Reihe zum Tanzen zu bringen, ist sie richtig gut. Demnach sind Maks And The Minors richtig gut. Und Max nutzt die Bühne mit ihrem Ausleger in den Zuschauerbereich in ihrer ganzen Breite. Peer Knacke beruhigt das aufgebrachte Publikum dann wieder mit seiner Gitarre und Songs wie zum Beispiel Hannes Waders Kokain. Mein erster musikalisch richtiger Höhepunkt folgt darauf mit der Bluesrockerin Dani Wilde & ihrer Band.

Im Rahmen der Blues Caravan Tour von Ruf Records hatte ich sie schon live erlebt, hier steht sie nun mit eigener Truppe auf der Bühne, macht ihre Sache ausgezeichnet und bindet sogar die Kinder, die es sich inzwischen auf dem Ausleger bequem gemacht haben, in ihre Show mit ein, die von einigen Songs her und auch stimmlich manchmal sogar an Janis selig erinnert. Leider öffnet der Himmel etwa zur Hälfte ihres Gigs zum ersten mal seine Pforten, was der Stimmung allerdings nicht viel anhaben kann, obwohl die Regenschirme aufgespannt werden und die Roadies Monitorboxen und Mikroständer zur Sicherheit in die Mitte der Bühne bringen müssen.

Auf etwa 20 Minuten des Rattlesnake Duos folgt Hans Söllner`s Bayaman Sissdem mit bayerischem Reggae. Ist nicht mal ansatzweise mein Ding, weiß ich absolut nichts mit anzufangen und kann ich dem zu Folge auch gern drauf verzichten, selbst der Himmel weint nach kurzer Pause wieder...

Doch auch er kann mir die Vorfreude auf mein persönliches Highlight heute Abend nicht verderben: Rorymania. Das sind Richie Arndt And The Bluenatics, Alex Conti, Henrik Freischlader und Gregor Hilden. Und alle zusammen haben sich der Musik des leider auch viel zu früh verstorbenen irischen Sängers und Gitarristen Rory Gallagher verschrieben.

Obwohl ich Richie mit seinen Bluenatics, Alex mit der Hamburg Blues Band sowie Lake und auch Henrik mit seinem Trio schon öfter erlebt habe, hatte ich bis heute nicht das Vergnügen, die Musiker in dieser Konstellation live zu sehen. Und was die Truppe abliefert, ist allererste Sahne. Eine eingespielte Rhythmusgruppe mit vier Topgitarristen gemeinsam auf einer Bühne, das geht natürlich größtenteils ab wie Schmidts Katze. Gitarrengewitter pur, obwohl auch die ruhigeren Passagen ihren Platz finden. Rory hätte mit Sicherheit seinen Spaß an diesem Auftritt gehabt, eine hervorragende Show von hervorragenden Musikern. Das Publikum tobt, und was will Devon Allman´s Honeytribe jetzt noch reißen?

Bei ihnen geht es nicht ganz so heftig zu, doch eine richtig starke Bluesrock / Southernrock Show liefert der leibhaftige Sohn eines gewissen Gregg Allman (Allman Brothers Band) mit seinen Jungs allemal ab.

Langsam müssen wir (Suse (Managerin), Uwe (Fotograf) und ich (Bericht / Video) uns jetzt vom Acker machen... im wahrsten Sinne des Wortes. Keiner weiß, wie aufgeweicht der Parkplatz aussieht - so ein Dilemma wie in Cuxhaven beim Deichbrand Festival brauchen wir nicht noch einmal. Und noch sind Leute vor Ort, die mithelfen könnten, die PKWs von der eventuell aufgeweichten Schlammwiese zu schieben.

Doch es geht - wenn auch unter einigen Schwierigkeiten - relativ gut. So kommen wir zwar nicht mehr in den Genuss der letzten Gruppe Great White, aber zumindest gut vom Parkplatz weg! Auszusetzen gibt es für mich an diesem Festivaltag eigentlich nur, dass ziemlich wenig Hendrix-Mucke zu hören war. Für einen absoluten Fan wie mich etwas traurig und für ein Hendrix-Memorialfestival schon seltsam...

Ansonsten: Alles top, und sollte nichts dazwischen kommen, werden wir nächstes Jahr hier hoffentlich wieder vor Ort sein.

HORST Krispien


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