German Rock e.V. | Das Online-Archiv der Deutschen Rockmusik
2.072  Deutsche Bands | 166 Bands - International | 3.645 Musiker | 705 abhörbare Interviews | 462 Festivals | 317 Konzerte

vorstand@germanrock.de | 05405 8959241

  • Startseite
  • Aktuell
    • News
    • Rockradio
    • Rock News Magazin
    • FAQ (PDF download)
  • Unser Verein
    • Vorstand
    • Aktive
    • Geschichte
    • Satzung
    • Klick zu Amazon
    • Mitglied werden
  • Inhalt
    • Deutsche Bands
    • Bands - International
    • Musiker
    • Interviews
    • Festivals
    • Konzerte
    • Specials / Events
    • (Riebes Fachblatt 72-75)
    • Buch / DVD
    • Adressen
  • Interaktiv
    • Pressemitteilungen
    • Pressespiegel
    • Linkpartner werden
  • Login
  • Impressum

Jahr auswählen

2025 2024 2023 2022
2021 2020 2019 2018
2017 2016 2015 2014
2013 2012 2011 2010
2009 2008 2007 2006
2005 2004 2003 2002
2001 2000 1999 1998
1996 1979 1975 1968

Konzerte in 2000

02.12.2000
Eric Burdon und Man

Eric Burdon (GB)
Man (GB)
11.11.2000
Grave Digger
06.10.2000
Die Happy, Dover, Uncle Ho, Such A Surge



Die Happy
30.09.2000
Inquire

Inquire
08.09.2000
Late September Dogs

Late September Dogs
26.08.2000
TOURTAGEBUCH - EUROPA 2000 Angel Dust, Lefay, Steel Prophet, Stormhammer


Angel Dust
Stormhammer
Steel Prophet (USA)
Lefay (S)
28.07.2000
Knorkator

Knorkator
21.07.2000
Ash Ra Tempel

Ash Ra Tempel
30.06.2000
Knorkator

Knorkator
16.06.2000
Ambrosial Candy, Pulse und Meat Against Bread





Ambrosial Candy
06.05.2000
And One und Second Sight

And One
Second Sight
02.04.2000
Ash Ra Tempel

Ash Ra Tempel
19.02.2000
Nygard und Dementia


Nygard

Insgesamt 317 Konzerte gespeichert

ASH RA TEMPEL 

Berlin, Akademie der Künste, 21.07.2000


Ashra - die Legende der elektronischen Musik - war nach 12 Jahren erstmals wieder in Berlin, um im Rahmen des Festivals Z 2000 - Positionen junger Kunst und Kultur und zum Abschluss des deutsch-französischen Kulturaustausches ein Konzert in der Akademie der Künste zu geben.

 

Die 1970 gegründete Band hatte drei Jahre zuvor eine kleine Tour durch Japan gemacht und umjubelte Auftritte in England absolviert, doch in Deutschland vollzog sich vor allem die Adaption des Pioniergeistes in der Entwicklung der Techno-Musik mit all ihren Ausläufern. Manuel Göttsching, Gründer und Kopf von Ashra, wird bis heute international als „Godfather of electronic music" gefeiert und schrieb ein wichtiges Kapitel deutscher Popgeschichte.


Vor dem bestuhlten Konzertsaal mit 700 Plätzen hatte sich dann auch ein babylonisches Völkchen versammelt: In kleinen Expertenrunden hörte man englische, französische, niederländische und asiatische Sprachfetzen, gemischt mit unterschiedlichen deutschen Dialekten. Alle waren sie nach Berlin gereist, um ein einmaliges Konzert zu erleben. Das Durchschnittsalter des Publikums lag zwischen 30 und 40, viele waren erheblich jünger, einige etwas älter. Väter kamen mit ihren Söhnen, um ihnen vielleicht endlich mal live zeigen zu können, auf welche Musik Papa als Jugendlicher stand, als er seinen ersten Joint rauchte und mit Mama ...

 

Das Konzert im fast ausverkauften Saal mit prominentem Publikum (u. a. Coco Schumann, DJ Dr. Motte, Ashra-Förderer Gen Fujita) begann mit Verzögerung und ungewisser Spannung. Youngster Steve Baltes kam auf die Bühne, um sich sofort wieder hinter seinen Synthesizer-Türmen zu verstecken. Am anderen Ende der Bühne vergrub sich Harald Grosskopf in seine Percussion-Insel. Und zwischen den beiden setzte sich Lutz Ulbricht an sein Gitarrenpult, wo er die nächsten zwei Stunden blieb. Manuel Göttsching stieß erst viel später hinzu, nicht etwa, um seinen Extra-Auftritt zu haben, sondern weil er technische Probleme mit seiner E-Gitarre hatte und sich wohl noch immer im Sound Check wähnte.

 

Der gemeine Fan des 3-Minuten-Popsongs - wie ich es bin - erwartete einen kurzen, knalligen Opener zu Beginn eines Konzertes und wurde nach spätestens 5 Minuten langsam unruhig. Nach 10 Minuten juckten die Handinnenflächen, weil sie noch immer nicht applaudieren durften, und tobten die Stimmbänder, weil sie nicht zum mit grölen aufgefordert wurden. Doch irgendwann hatten sich alle beteiligten Nervenenden verständigt und man lehnte sich unsicher, aber entspannt zurück: Elektronik! Kiffer-Musik! Trance! Kunst der Improvisation!


Das erste Stück dauerte eine halbe Stunde, darauf folgten zwei Shorties von jeweils 15 Minuten und vor dem letzten Song hörte ich endlich auf, die Zeit zu messen. Es war ja auch viel interessanter zu beobachten, wie die einzelnen Musiker in sich gingen, abhoben, wegflogen und irgendwann zusammen wieder runterkamen. Die sphärischen Sound-Zaubereien von Steve Baltes breiteten den Teppich für die kleinen Ausflüge aus, die experimentellen Gitarrenklänge des Lutz Ulbricht wirkten wie Flügel und Harald Grosskopfs sensible bis kraftvolle Rhythmen waren ein unermüdlicher Motor. Nur der Kapitän - der Steuermann und sein Ruder - hatte leider nicht seinen Tag. Ab und zu kam er auf die Bühne geschlichen, spielte ein paar Takte lang mit, ließ sein Können etwas durchschimmern und verschwand wieder. Das Publikum äußerte seine Unzufriedenheit und dankte den anderen drei Musikern, die Göttschings Ausfall hervorragend abfingen, mit übermäßigem Applaus. Sie waren sich bewusst, dass sie eine Verpflichtung den Zuschauern gegenüber hatten, die immerhin 60 DM pro Karte und oft auch Reisekosten gezahlt hatten. So gab es dann auch die geforderte Zugabe - ohne Göttsching.


Alle vier Ashra-Musiker wirkten während ihrer Klangperformance extrem scheu, so dass man sich schon freute, wenn sie in den Sekunden zwischen zwei Titeln kurz hochschauten und lächelten. Der Mangel an Ausdruck von menschlicher Wärme und die kalte, elektronische Musik akkumulierten sich zu einer Distanz, die für Live-Konzerte eher ungewohnt ist. Doch was war an diesem Abend schon gewöhnlich?

 

Regina Sommerfeld

Eintrittskarte zum KLonzert am 21.7.2000

Flyer zum Konzert am 21.07.2000

German Rock e.V. - seit 1998 Förderung deutscher Rockmusik und Aufbau eines allgemein zugänglichen Datenarchivs - jeder kann Mitglied werden und die Szene unterstützen.

Und so kannst du uns auch als Nichtmitglied unterstützen.