German Rock e.V. | Das Online-Archiv der Deutschen Rockmusik
2.076  Deutsche Bands | 170 Bands - International | 3.645 Musiker | 714 abhörbare Interviews | 466 Festivals | 331 Konzerte

vorstand@germanrock.de | 05405 8959241

  • Startseite
  • Aktuell
    • News
    • Rockradio
    • Rock News Magazin
    • FAQ (PDF download)
  • Unser Verein
    • Vorstand
    • Aktive
    • Geschichte
    • Satzung
    • Klick zu Amazon
    • Mitglied werden
  • Inhalt
    • Deutsche Bands
    • Bands - International
    • Musiker
    • Interviews
    • Festivals
    • Konzerte
    • Specials / Events
    • (Riebes Fachblatt 72-75)
    • Buch / DVD
    • Adressen
  • Interaktiv
    • Pressemitteilungen
    • Pressespiegel
    • Linkpartner werden
  • Login
  • Impressum

Jahr auswählen

2026 2025 2024 2023
2022 2021 2020 2019
2018 2017 2016 2015
2014 2013 2012 2011
2010 2009 2008 2007
2006 2005 2004 2003
2002 2001 2000 1999
1998 1996 1979 1975
1968

Konzerte in 2009

24.10.2009
Grobschnitt

Grobschnitt
12.09.2009
:Fjoergyn:, Ahab, Dornenreich



Dornenreich (A)
27.03.2009
Corvus Corax

Corvus Corax
27.03.2009
Die Happy

Die Happy

Insgesamt 331 Konzerte gespeichert

GROBSCHNITT

Hückeswagen, 24.10.2009

Wiedergeburt einer Legende – oder – Wenn alte Männer weinen....

Warum fasse ich meine Worte unter diesem merkwürdigen Titel zusammen, mag sich der geneigte Leser fragen. Möglicherweise weiß ich es selber nicht, aber der Titel drängt sich aus meiner virtuellen Feder, als wenn er unbedingt das Licht der Welt erblicken will am Tag nach der bereits erfolgten Wiedergeburt einer musikalischen Legende, die nunmehr - nach mehr als 30 Jahren – wieder live auf der Bühne aufgeführt wird.

Und der zweite Teil des Titels, was will ich damit sagen? Da vermischen sich etliche Eindrücke vom Konzert miteinander, die zwar unterschiedlichste Personen betrifft, aber diese auch letztlich zu einer unschlagbaren Familie zusammenschweißt, nämlich der Grobschnitt-Familie. Dazu gehören natürlich in erster Linie die sogenannten „Alten“ in der Band, deren Tränen man nach dem ersten Teil der Show und dem darauffolgenden unbändigen, ehrlichen und tief bewegtem Beifallssturm von mehreren Minuten sowohl der Freude über das Geleistete als auch der Befriedigung über den Erfolg desselben zuschreiben kann. Und weiterhin gehören dazu Fans, ehemalige Fans und neue Fans der Band, deren Tränenauslöser im ersten Falle die Freude über ein grandioses Konzerterlebnis mit sensationell arrangierten musikalischen Passagen wie auch tollen optischen Effekten war.

Zweitere waren schier überwältigt von den Gefühlen, die sie beim  erneuten Erleben dieses wohl besten in Deutschland je auf die Bühne gebrachten Rockmärchens an die „gute alte Zeit“ denken und schlichtweg in sentimentale Grand Canyons fallen ließ. Und die Neuen fragt man sich nun? Der sehende Besucher des Konzertes konnte neben den überwiegend anwesenden Grufties eben auch die neuen Fans von Grobschnitt erkennen, seien es die Fans der jungen Zweitgeneration, die auf der Bühne ohne Fehl und Tadel nahtlos in die Fußstapfen ihrer Vorgänger traten, als auch die „Mitgeschleppten“, die wohl kaum eine Chance hatten, diesem Konzert auch nur den Anschein von altbackener, aufgewärmter Rockgeschichte anzudichten. Vielmehr erschloss sich in nachfolgenden Gesprächen dem Autoren dieser Worte die Gewissheit: Wer Grobschnitt nicht live erlebt hat, kann sie auch nicht lieben – im Umkehrschluss: Wer Grobschnitt live erlebt hat MUSS sie lieben! Diesem Phänomen sind zum Beispiel im Grobschnittforum, erreichbar über die Bandseite im Internet, ständig um die 500 User auf der Spur. Meine Meinung ist, dass man dies nur der einzigartigen Begeisterung der Band an Ihrer Musik, der leider heutzutage viel zu seltenen Hingabe in eine selbst gestellte Aufgabe und der sympathischen Zuneigung zum Publikum zuschreiben kann.

Möglicherweise ergeben sich beim Leser aus den ersten euphorischen Worten nun einige Fragen, die der Klärung bedürfen. Bei dem erwähnten Rockmärchen handelt es sich um das legendäre Konzeptalbum Rockpommelsland, das zum Zeitpunkt seines Erscheinens musikalische Maßstäbe setzte, die leider live kaum zu erreichen waren. So floppte zu Beginn das Stück bei Liveaufführungen regelmäßig, entweder weil der Zuschauer überfordert war, oder weil es in seiner musikalischen Filigranität durch die Musiker kaum zu bewältigen war. Dass so ganz nebenbei die Schallplatte zu den erfolgreichsten auf dem deutschen Rockmusikmarkt avancierte zeigt, dass es wirklich nur an der Umsetzung auf der Bühne gelegen haben kann, denn das Stück als solches muss nur als genial bezeichnet werden. Damit ist dann auch schon erklärt, warum Grobschnitt nach der Debüttournee immer nur fragmentarisch die leichter spielbaren Teile von Rockpommelsland in ihre Setlist aufnahm. Umso bemerkenswerter ist es, dass es 30 Jahre später, nach  über einem Jahr intensivster Vorbereitungsarbeit, den Vätern und den Söhnen gelungen ist – und zwar ohne Abstriche! - das vom leider viel zu früh verstorbenen Keyboarder Volker Kahrs alias „Mist“ maßgeblich mit entworfene musikalische Meisterwerk in voller Länge (plus extra komponiertem Intro) so umwerfend schön und frisch neu erstehen zu lassen.

Wie Ihr sicherlich bemerkt habt, unterscheidet sich dieser Konzertbericht schon etwas von den Üblichen. Es hat natürlich Gründe, warum nicht der Ablauf hier im Mittelpunkt des Geschehens steht. Und dies wird logischerweise durch die möglicherweise sehr subjektive Sichtweise des Autoren bestimmt, was einerseits nur richtig sein kann, war doch für mich persönlich diese Band der mit entscheidende Grund, diesem Verein Geburtshilfe zu geben, dem Ihr nunmehr 39 Mitgliedermagazine verdankt und in denen wir immer wieder versucht haben, eben genau dies zu verwirklichen: Eine andere Sicht auf die Musikszene neben der rein kommerziellen! Man möge mir daher verzeihen, dass ich hier etwas Herzblut liegen lasse für eine Band, von der ich selbst nur sagen kann, dass sie die Filmmusik zu meinem Leben geschrieben hat.

Andererseits macht es aber auch keinen Sinn, sich in der Beschreibung über die Beherrschung der Instrumente oder die spielerische Leichtigkeit der Musiker auszulassen. Na klar, wer würde bestreiten, dass ein Willi Wildschwein, ein Milla Kapolke oder ein Rolf Möller mit jeweils Tausenden von Konzerten in der Tasche über so viel Erfahrung und Können verfügen, dass es peinlich wäre, solch ein Ding in den Sand zu setzen. Wer würde ihnen gar die Fähigkeit absprechen wollen, das Erbe von „Mist“ würdevoll zu verwalten? Diese Musiker sind unbestreitbar Spitzenklasse und einzig zu erwähnen ist doch, dass sie es immer wieder schaffen, eben diese - ihnen entgegenbrachte Anerkennung - immer und immer wieder auf den Punkt durch außergewöhnliche Energie, Perfektion und Begeisterung auf der Bühne zu manifestieren. Schon erstaunlicher ist es, dass die anderen Bandmitglieder, die nicht über diese lange Verbundenheit zum Material verfügen, in der Lage sind zu den sogenannten „Alten“ sowohl in Sachen Spielfreude, als auch in der detailgetreuen Umsetzung der Vorlagen aufzuschließen und diese sogar mit einem modernen Hauch der neuen Generation aufzufrischen.

Ein im Geiste mir sehr verbundener Kollege, der auch über längere Zeit hier als Autor Flagge zeigt, ich rede von Stephan Schelle, hat auf seiner Homepage einen Bericht über das Konzert veröffentlicht, in dem bebildert seine Eindrücke dargestellt werden. Dort fand ich eine Textstelle, die ich als Zitat erwähnen möchte, weil ich einfach keine besseren Worte für das finden kann, was während des Stückes Rockpommelsland in Hückeswagen geschah:

Zitat: „Das aktuelle Band-Lineup hat ja schon durch ihre vorhergehenden 20 Konzerte bewiesen, dass sie es drauf haben, dieses Material in einer perfekten, modernen Art auf die deutschen Bühnen zu bringen, aber an diesem Abend haben sie sich noch mal um einiges gesteigert. Sie öffneten mit ihrer Interpretation quasi den Brustkorb jedes Besuchers, entnahmen ihm sein Herz um es eine Stunde lang mit unglaublicher Musik zu streicheln und setzten es dann wieder ein, was zu einer inneren Stimmung führte, die ich nicht näher beschreiben kann. Teilweise stand ich mit zitternden Knien wie benebelt vor der Bühne!“ Zitat Ende

Diesen Worten kann ich kaum etwas hinzufügen, außer dass ich in den Gesichtern der Menschen um mich herum genau dieses lesen konnte, wo immer ich auch hinschaute.

 Um der Vollständigkeit Willen nun aber doch noch einige Zeilen zum Konzert und dessen weiteren Ablaufes. Wie erwähnt bildete Rockpommelsland den ersten Teil, angesagt durch Willi und Milla, die deutlich sichtbar angespannt waren. Diese war ja auch durchaus verständlich und blieb auf noch spürbar, als die neu komponierte Intro-Passage mit teils an Sequenzen aus Rockpommelsland angelehnten  Klangmotiven und einer akustischen Klangdarstellung von Severity Town und dem verregneten Tag, als Ernie seinen Papierflieger bastelte ablief. Die Beschreibung der weiteren Stücke von Rockpommelsland schenke ich mir jetzt einfach mal, wer die nicht kennt möge woanders nachlesen. Zu erwähnen ist von meiner Seite aus nur das folgende: Die neue Bühnenshow überzeugt, die sollte sich jeder mal ansehen! Allein schon die Blackshirts in ihren steinigen Kostümen sind sehenswert. Die Musik ist nicht nur phantastisch, modern und druckvoll neu arrangiert, sondern auch minutiös auf die – wie immer von Toni Moff Mollo live von der Bühne aus gesteuerte – Lightshow abgestimmt. Diese ist ein, viel zu oft unerwähntes, Highlight bei jedem Konzert, in besonderem Maße jedoch bei der neuen Show.

Nach diesem ersten Teil, der durch seiner Intensität und Länge, immerhin nahezu eine Stunde, sowohl die Band als auch das Publikum an die emotionalen Grenzen führte, war eine Pause genau der richtige Programmpunkt. So konnten sich die Fans, nachdem die Tränen getrocknet waren und man erst mal durchgepustet hatte, erste Eindrücke miteinander austauschen und sich auf die weiteren Überraschungen freuen. So richtig verarbeiten konnte man das grandiose Erlebnis natürlich noch nicht, dazu braucht es – auch bei mir - noch lange. Auch die Band kam sichtlich erleichtert und hoch motiviert zum Teil zwei auf die Bühne, in dem es mal so richtig fett abging.

Ein Medley oder besser eine Aneinanderreihung von Razzia, Illegal und Mary Green deutet dem Autoren (scherzhaft) an, dass Grobschnitt kaum mehr in der Lage ist kurze Stücke zu spielen. Einem kurzen melodischen und ruhigen Teil mit Silent Movie folgten die Könige Der Welt, das Stück, das mich seit der Reunion zumindest bis zu diesem Abend am meisten überrascht hatte. Komisch, von Platte mochte ich es nie, aber diese neue Version ist so toll....

Dann kam es, wie es bei einem ordentlichen Grobschnittkonzert nicht anders kommen kann: Eine über 45minütige Version von Solar Music in der  Sonnentanzversion, das unter anderem einen Powerteil enthält, der mir wieder und wieder den Kopf abreißt vor Energie. Beliebte Showelemente wie die Schwertkämpfer und die Flexen-Funken-Monster fehlten ebenso wenig wie ein Gitarrensolo von Nuki, dem Wildschwein-Erstgeborenen und einem Gitarrenduett desselben mit Manu Kapolke – na klar, das ist Millas Sohnemann.

Auch das lieb gewonnene Basssolo von Milla und die virtuosen Gesangseinlagen des stimmgewaltigen Frontmannes Willi überzeugten wieder mal. Rolf Möller zerkloppte vor Spielfreude und Energie wie man später erfuhr ein Becken seiner Schießbude, das ordentlich von allen Bandmitgliedern signiert dem Veranstalter als kleines Dankeschön für die perfekte Vorbereitung und Betreuung übergeben werden sollte. Frenetisch bejubelt endete Solar Music mit einem donnernden Böller aus drei Kanonenschlägen. Grobschnitt wäre nicht Grobschnitt, wäre danach die Party nicht mit gehörigen Zugaben weitergegangen – in diesem Falle wurde von den Zuschauern begeistert aufgenommen Vater Schmidts Wandertag zelebriert, der der logischen Kürzung des bisherigen Hauptprogramms zum Opfer gefallen war. Und nochmals wurden die Gefühle des Auditoriums in höchste Wallung gebracht als zum finalen und endgültigen Ende der Show der Wikinger seinen bewegenden Gang über die Bühne machte und dort einen Kerzenleuchter absetzte, der noch eine Weile das Licht und die Magie des Abends zum Ausdruck brachte.

Ihr Lieben, die Ihr immer noch mitlest, habt Dank dafür, dass ich Euch meine Sicht eines Meilensteins der deutschen Rockmusik näher bringen durfte. Versäumt es nicht, irgendwann, wenn die Kapelle Elias Grobschnitt in Eurer Gemarkung ihr Stelldichein gibt an einem Event teilzuhaben, der mit Sicherheit für den Rest des Lebens in Eurer Erinnerung bleiben wird!

Und vielleicht sehen wir uns ja dann mal.

Tief bewegt grüßt euch

Harald Stimpel

alias Rockmagix

Grobschnitt live in Hückeswagen am 24.10.2009 Foto: Stephan Schelle

Grobschnitt live in Hückeswagen am 24.10.2009 Foto: Stephan Schelle

Grobschnitt live in Hückeswagen am 24.10.2009 Foto: Stephan Schelle

Grobschnitt live in Hückeswagen am 24.10.2009 Foto: Stephan Schelle

Grobschnitt live in Hückeswagen am 24.10.2009 Foto: Stephan Schelle

Grobschnitt live in Hückeswagen am 24.10.2009 Foto: Stephan Schelle

Grobschnitt live in Hückeswagen am 24.10.2009 Foto: Stephan Schelle

Grobschnitt live in Hückeswagen am 24.10.2009 Foto: Stephan Schelle

Grobschnitt live in Hückeswagen am 24.10.2009 Foto: Stephan Schelle

German Rock e.V. - seit 1998 Förderung deutscher Rockmusik und Aufbau eines allgemein zugänglichen Datenarchivs - jeder kann Mitglied werden und die Szene unterstützen.

Und so kannst du uns auch als Nichtmitglied unterstützen.