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Corvus Corax

Corvus Corax
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Die Happy

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CORVUS CORAX

Leipzig, Arena, 27.03.2009

 

Die Luft ist erfüllt vom schweren Klang der Dudelsäcke & Trommeln, deren mächtigen Töne sich einen Weg durch die massiven Wände der Leipziger Arena bahnen. 18.00 Uhr - Soundcheck des bevorstehenden Cantus Buranus Spektakels, einer Symbiose aus mittelalterlichen Choral-Gesängen gregorianischen Einflusses, modernen Orchestersounds und rockigen Elementen der Mittelalter-Spielmannsformation Corvus Corax. Inszeniert vom international bekannten Licht-, Feuerwerks- und Multimedia-Künstler Gert Hof, wird im abendfüllenden Programm die von Corvus Corax selber genial umgesetzte Neuvertonung der überlieferten Carmina Burana Texte zum monumentalen Gesamtkunstwerk erhoben. Dieses könnte demnächst der weltweit bekannten szenischen Kantate Carl Orffs den Rang ablaufen.

Kurz nach 20.00 Uhr entert das klassisch bekleidete Bohemian Symphony Orchestra Prague die Bühne, gefolgt vom Passionata-Chor, in weiße Mönchskutten (und später in rote Gewänder) gehüllt. Schon jetzt wird die ehrfürchtige Stille von tosendem Applaus durchbrochen, mehrere tausend Zuschauer harren dessen, was nun - perfektioniert bis ins kleinste Theater- und Ton-Detail - folgen wird.

 

Vorangegangene Aufführungen in China, Deutschland und den Niederlanden haben die vorfreudige Erwartung auf die Performance in Leipzig geschürt. Jeder spürt, hier soll und wird erneut Musikgeschichte geschrieben werden. Der Dirigent Jörg Iwer nimmt unter Applaus seinen unverzichtbaren Platz ein, die Show kann beginnen.

 

Mystisch und ehrfürchtig zugleich, senkt sich der Opener Veritas Simplex über den voll besetzten Publikums-Ränge hernieder.

Wim Venustus Olere (Bagpipes, Shawm, Bucina, Vocals) Kalauer (Davul, Timpani, Tam Tam, Vocals), Tritonus der Teufel (Bagpipes, Shawm, Busine, Trummscheit, Vocals), Hatz (Big Frame Drum, Cymbals, Cassa, Vocals), Ardor Vom Venushügel (Bagpipes, Shawn, Busine, Vocals), Harmann Der Drescher (Big Frame Drum, Bass Drum, String Drum, Tam Tam, Vocals), Castus Rabensang (Bagpipes, Shawn, Bucina, Sistrum, Vocals) und Jordon Finus (Bagpipes, Shawn) kommen nun ins Spiel. Die Percussionisten der Formation Corvus Corax betreten mit Trommelstöcken bewaffnet die Szenerie, bevor die andere Hälfte der Kolkraben riesige Flaggen schwenkend einmarschiert.

 

Prunkvolle und gleichzeitig authentische Mittelalterkostüme ziehen faszinierte Blicke auf sich. Rekonstruierte historische Instrumente begeistern Auge und Ohr gleichzeitig. Miser lässt die klangliche Spannung weiter steigen. Der Hagel-Sound der mittelalterlichen großen Trommeln und der japanischen Taiko-Drums hallt bei Custodes Sunt Raptores wie Donnerschall durch den riesigen Saal und bringt den kollektiven Herzschlag aller Anwesenden in den Bereich steigender Pulsfrequenzen. Begeisterung und ehrfürchtiges Staunen brechen sich Bahn. Lange bevor bei De Mundi Statu erstmals an diesem Abend die selbst gefertigten Dudelsäcke von Corvus Corax zum Einsatz kommen, ist die Mittelalter-Illusion perfekt. Chor, Orchester und Band sind zu einer untrennbaren Symbiose verschmolzen, welche optische und klangliche Faszination vereint.

 

Ordu Languet wird so charismatisch wie alle Vorgänger intoniert. Vitium In Opere powert rhythmisch kraftvoll durch die Monitor-Boxen. Filigranität und Bombast schließen einander keinesfalls aus. Bei Quid Agam verzaubert Opern-Diva und Star-Sopranistin Ingeborg Schöpf alle Anwesenden mit einem gigantischen Stimmumfang und atemberaubender Live-Präsenz! Die einzige Lady der Bühnenfront-Szenerie gibt Ihren Einsatz mit faszinierender Leichtigkeit zum Besten, mit Samt und Federschmuck heraus geputzt. Zu Causa Ludi tragen Corvus Corax (dem griechischen Gott Atlas gleich) eine riesige Weltkugel auf ihren Schultern auf die Bühne. Selbiger Ballon zieht, Propeller angetrieben und von innen beleuchtet, während des gesamten Songs über den Köpfen der Zuschauer ferngesteuert seine Kreise. Zeitgleich wird die gesamte Bühne in Weltall-Assoziation von etlichen weißen Ballonlampen erleuchtet. Zu Ingordin Et Ingordan bedienen Teufel & Co. eine überdimensional angelegte Drehleier. Auf Magnum Detrimentum folgt In Orbem Universum. Corvus Corax erscheinen in roten Bischofsroben, brennende Opferschalen in den Händen. Sopranistin Ingeborg Schöpf, ganz in Silber und Rot gekleidet, trägt ihren gewaltigen Reifrock genau so würdevoll wie ihr gesangliches Können zur Schau. Dieser Traum aus Harmonie und Magie lässt keine Wünsche offen.

 

Beim großen Finale O Varium Fortune schwappt die Woge der Begeisterung (wie schon so oft an diesem Abend) restlos über, - Minuten lange Standing Ovations für Orchester, Chor, Dirigent, Sängerin und Band! Corvus Corax verlassen die Bühne, um bei ihrer Rückkehr noch frenetischer empfangen zu werden. Der Saal jubelt, die Künstler strahlen verzückt. Ein euphorisches Preces Ad Imperatorem als Zugabe bringt alle Dämme der Zurückhaltung zum Brechen, die Halle tobt und alle Beteiligten verausgaben ihre letzten Kraft-Reserven. Selbst Großmeister Gert Hof, hinterm Monitorpult agierend, wirkt zufrieden mit dem künstlerischen Resultat intensiver Vorarbeit. Etliche Bühnenauf- und Abgänge, unzählige Verbeugungen, Jubelrufe und Beifallsstürme folgen ohne Unterlass. Nach mehr als zwei Stunden Spielzeit findet Cantus Buranus gegen 22 Uhr nun in einem überschäumenden Glücksgefühl aller Anwesenden sein wohlverdientes Ende. Am nächsten Abend wird das Großaufgebot an Perfektionisten die Fans in München begeistern, in Leipzig klingt dieser Rausch aller Sinne noch lange nach.

 

Andrea Göbel

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