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Tritonus
Tritonus, Mannheim» ist aufgelöst

Biografie

TRITONUS Bio (Stand 2017)

Tritonus war eine Dreimanngruppe aus Mannheim, die oft mit Emerson, Lake & Palmer verglichen wird und dank ihrer beiden gelungenen LPs und vielen Auftritte zu den wichtigsten Vertretern des Deutschrocks der siebziger Jahre zählt.

Treibende Kraft der Gruppe war Peter K. Seiler (* 1953 in Mannheim), der gerne klassische Musik hört und schon 1971 als einer der ersten in Deutschland den Synthesizer von Robert Moog spielte.

Seine erste Gruppe war die Schülerband Mohn und Gedächtnis, die progressive Rockmusik mit surrealen deutschen Texten machte. Dort blieb er allerdings nur ein paar Monate lang, weil ihm das Ganze zu unausgereift erschien und seiner künstlerischen Entfaltung nicht genug Raum gab.

Ungefähr im Februar 1972 stieg er aus. Im Mannheimer Jazzclub Genesis lernte er etwas später den etwa zwei Jahre älteren Musikstudenten Ronald John David Brand aus Weinheim kennen, Sohn eines US-Amerikaners, mit dem er sich gleich gut verstand und mit dem er auch musikalisch auf einer Wellenlänge lag. So beschlossen die beiden, ein Trio zu gründen, das stark von der klassischen Musik beeinflusst sein sollte. Peter Seiler sollte die Tasten übernehmen, Ronald Brand den Baß und den Gesang. Nun fehlte nur noch ein Schlagzeuger zur Vervollständigung der Gruppe. Beide kannten jeweils einen geeigneten Mann dafür. Diese beiden Schlagzeuger wurden zur Probe eingeladen. Am ehesten überzeugte Ronald Brands Bekanntschaft: Charlie Jöst aus Heddesheim. Damit waren sie nun vollständig. Als Gruppennamen wählten sie Tritonus. Das ist ein Begriff aus der Musiklehre und bezeichnet ein Intervall, das drei Ganztöne umfasst. Der Tritonus galt im Mittelalter und auch lange danach noch als Teufelswerk und wurde deshalb möglichst gemieden, selbst von Bach noch. Das Wort stammt aus dem Altgriechischen, ist aber die latinisierte Form davon. Wegen dieser Verrufenheit und wegen ihrer Herkunft aus dem klassischen Bereich wählten sie als Gruppennamen Tritonus.

Neben eigenen Werken spielten Tritonus auch Kompositionen von Jean Sibelius (1865-1957) in neuem Gewand. Da inzwischen viele andere Künstler Ähnliches machten, wie etwa The Nice, Ekseption, Pink Mice oder Walter Carlos, und ihnen das dann zu abgedroschen wurde, beschränkten sie sich schließlich weitestgehend auf selbstgeschriebene Stücke. Zwei davon nahmen sie im Tonstudio von Teije van Geest auf, damals noch in Heidelberg-Wieblingen gelegen (heute in Sandhausen), und zwar The Way Of Spending Time im Oktober und Kite im November 1972. Sie veröffentlichten sie im Eigenverlag als Single The Way Of Spending Time/Kite (Paradis Records S 2610). Weitere Platten sollten unter diesem Labelnamen nicht erscheinen. Bei der A-Seite stammt die Musik von Peter Seiler und Ronald Brand, der Text nur von Peter Seiler, die B-Seite Kite wurde allein von Peter Seiler geschrieben. Toningenieur war Teije van Geest, als Produzenten sind Peter Seiler und Ronald Brand eingetragen. Verlag für beide Stücke ist Badenia. Da sie keinen Vertrieb für die Platte hatten, konnten sie sie fast nur bei ihren Auftritten verkaufen, was die Verbreitung zu ihrem Leidwesen stark einschränkte. Deshalb suchten sie für eine Neuausgabe der Single ein Label mit Vertrieb und fanden es in RBM Records, einem 1970 gegründeten Klassik-Label aus ihrer Heimatstadt Mannheim. Für diese neue Ausgabe wurden die A- und die B-Seite ausgetauscht, weil Kite bei ihren Auftritten besser ankam. Die Gestaltung der Hülle wurde beibehalten, nur die Beschriftung und das Logo wurden geändert. Diese Neuausgabe der Single erschien 1974 als Kite/The Way Of Spending Time (RBM Records 7002). Mit dieser Platte im Rücken und dank ihrer besonderen Fähigkeiten als Musiker und einiger gelungener Auftritte erwarben Tritonus sich nun einen sehr guten Ruf. Die Folge waren Einladungen zu einigen deutschen Rundfunksendern und ein Fernsehauftritt im „Talentschuppen“ des Südwestfunks (SWF) in Baden-Baden. Besonders oft wurde die Single von Winfried Trenkler im Westdeutschen Rundfunk (WDR) gespielt.

Im September 1973 traten Tritonus im „SFBeat-Workshop“ (SFB 2) auf der Internationalen Funkausstellung in Berlin auf. Im gleichen Monat gewannen sie unter etwa 200 Teilnehmern den Wettbewerb der Dortmunder Actien-Brauerei (DAB). Dank dieser Erfolge wurden einige Plattenfirmen auf sie aufmerksam, insbesondere Polydor. Erste Verhandlungen scheiterten daran, dass Tritonus von einem großen Orchester begleitet werden wollten. Das war den Firmen jedoch zu teuer.

Charlie Jöst und Ronald Brand waren übrigens begeisterte Segelflieger beim Luftsportverein Weinheim, was sich wohl in den sphärenhaften Klängen der Musik ausdrückt und auch in einigen Titeln wie Kite, Far In the Sky oder Gliding. Auf letzterem Stück bauten sie übrigens den Funkverkehr zwischen Tower Weinheim und Flieger ein.

Das Jahr 1974 begann mit einer ausgedehnten Tour durch Westdeutschland und Luxemburg. Anschließend im gleichen Jahr 1974 gingen Tritonus ins bekannte Tonstudio Bauer in Ludwigsburg, um dort in Eigenverantwortung sechs Stücke für eine erste LP aufzunehmen. Die Angabe in der Wikipedia, dass die Aufnahmen im Studio Garreis in Mannheim stattfanden, ist falsch. Dort nahmen sie zwar auch mal was auf, aber nicht ihre erste LP. Ins Studio von Teije van Geest gingen sie deshalb nicht, weil dort nur acht Spuren zur Verfügung standen, sie aber mehr brauchten. Fünf der eingespielten Stücke waren selbstgeschrieben, nur Lady Madonna wurde von den Beatles übernommen, ist aber kaum noch wiederzuerkennen. Das letzte Stück, Lady Turk, ist eine ganz neue Fassung von Kite. Peter Seiler spielte neben seinem Moog-Synthesizer auch noch eine Hammond- und eine Kirchenorgel (in St. Peter in Mannheim), ein Klavier von Steinway, ein elektrisches Piano, eine Celesta und ein Mellotron. Das gehörte ihm allerdings nicht selbst, sondern stand im Studio Bauer. Das fertige Band boten sie einigen Plattenfirmen an und bekamen von BASF einen Bandübernahmevertrag. Die Urheberrechte verblieben also bei ihnen selbst. Die LP erschien erst im April 1975 als Tritonus (BASF 1722384-1). Auf der Hülle sieht man von links nach rechts Peter Seiler, Charlie Jöst und Ronald Brand. Die Verlagsrechte an den selbstgeschriebenen Stücken lagen damals bei Badenia-Musik aus Mannheim. Später wurden sie mit Peter Seilers Verlag Triple Music geteilt, weil der viel Promotion-Arbeit im Ausland übernahm. Als Produzenten der LP waren Peter Seiler und Ronald Brand eingetragen, weil nur sie beide die Aufnahmen bezahlt hatten, Charlie Jöst nicht. Gefertigt wurde sie von Sonopress in Gütersloh. Anschließend wurde die LP bei über 80 Auftritten vorgestellt. Dabei traten Tritonus auf „... mit Räucherschwaden, einer kolossalen Instrumentenbatterie, die die Band wie auf Wolken schwebend erscheinen lassen sollte, und ekstatischen Gesten, wie aus dem großen Drama.“ Dazu erklang bombastischer Orgelrock „voll brillanter Improvisationen, mit pulsierenden Klassik-Themen, folkloristischen Passagen und wuchtigem Barock-Gepränge.“ (Weinheimer Nachrichten vom 16.4.1975). Weiterhin gab es eine Reihe von Rundfunkeinsätzen.

Zwischenzeitlich hatte Peter Seiler die gesamte Bühnenmusik zum Schauspiel Aber Warum Gerade Ich? von Luigi Lunari geschrieben. Tritonus spielten live bei allen Vorstellungen des Stücks im Mannheimer Nationaltheater. Es ging dabei um das Massaker von My Lai im Vietnamkrieg. Außerdem war schon eine eigene LP von Peter Seiler erschienen, und zwar im Dezember 1974 Keyboards & Friends (RBM Records RBM 5004). Den Bass darauf spielte Ronald Brand, Saxophon und Querflöte spielte Gerd Köthe von Joy Unlimited aus Mannheim. Es war eine sehr avantgardistische Verschmelzung von experimenteller Musik und verschiedenen Spielarten des Jazz und klingt etwas nach Wolfgang Dauner.

Nach einem Tritonus-Auftritt im Hamburger Logo 1975 wurde Peter Seiler von dem Keyboarder und Instrumentenbauer Wolfgang Palm angesprochen, der damals gerade seine Palm Products GmbH gründete, kurz PPG. Sie wurden sich einig, und Wolfgang Palm baute für Peter Seiler einen hochwertigen Synthesizer, der ihm später wertvolle Dienste leisten sollte. Auch Künstler wie Tangerine Dream, Klaus Schulze, Thomas Dolby, David Bowie, Depeche Mode oder Jean Michel Jarre wurden von Wolfgang Palm beliefert.

Charlie Jöst stieg in der Zeit zwischen der ersten und der zweiten Tritonus-LP aus persönlichen Gründen aus. Er hatte über den zweiten Bildungsweg sein Abitur nachholen wollen, war damit aber gescheitert. Das verschlechterte seine Laune dermaßen, dass es sich auch auf die Gruppe übertrug, und da er für den zweiten Versuch am Speyerkolleg mehr Zeit brauchte, machte er seinem Nachfolger Bruno Perosa von der italienischen Gruppe Banco del Mutuo Soccorso Platz. Der wiederum verzichtete schon nach wenigen Monaten zugunsten von Bernhard Schuh.

Als die BASF-Auflage abverkauft, der Vertrag ausgelaufen und das BASF-Label eingestellt worden war, erschienen mehrere weitere Ausgaben der ersten Tritonus-LP.

Die erste kam schon 1977 (Acanta CC 22.384) auf einem Label der FonoTeam GmbH aus Hamburg, die in dem Jahr gerade von ehemaligen BASF-Mitarbeitern gegründet worden war. Die Gestaltung der Hülle wurde natürlich, wie auch bei den späteren Ausgaben, unverändert beibehalten, bis auf Kleinigkeiten wie Logo und Bestellnummer. Danach geschah erst einmal lange Zeit nichts, bis 1996 Tritonus (Germanofon 941080) ohne Wissen und Einverständnis der Künstler auf einem Luxemburger Bootleg-Label als CD erschien, von Platte überspielt und sehr billig aufgemacht. Sie wird heute noch gelegentlich auf Schallplattenbörsen und Flohmärkten unter der Hand für kleines Geld verramscht. Mehr ist sie auch nicht wert.

Die erste rechtmäßige CD-Ausgabe kam 1998 auf dem Berliner Label Second Battle. Es wurden beide Tritonus-LPs auf einer CD zusammengefasst, dazu noch das Stück The Trojan Horse Race von der zweiten Tritonus-Single von 1977. Die Ausgabe (Second Battle SB 049) erschien in einem sechsseitigen Digipak und enthält ein Booklet mit lesenswerter Bandstory in Deutsch und Englisch, geschrieben von Reinhart Kotzsch, der einige Einzelheiten hier entnommen sind. Jahre später erschien eine russische Fälschung dieser Ausgabe.

2015 trat ein südkoreanisches Label an Peter Seiler heran und erwarb von ihm die Rechte für eine weitere CD-Ausgabe. Tritonus (Media Arte MA-0069) erschien wieder mit dem gleichen Zusatzstück wie die CD von 1998. Gleichzeitig kam auch die zweite Tritonus-Platte Between The Universes (Media Arte MA-0070) als CD heraus. Beide kamen mit einem sogenannten Obi-Streifen und enthalten ein Mini-Poster mit Photos und Bandgeschichte. Alle diese genannten Ausgaben sind nicht mehr im Handel erhältlich, bestenfalls noch gebraucht.

Schon zwei Jahre später, am 25.10.2017, erschienen beide Werke von Tritonus in Japan als CDs: Tritonus (Belle Antique BELLE 172806) und Between The Universes (Belle Antique BELLE 172807), beide mit Obi und im Mini-LP-Cover aus Pappe. Es handelt sich um sogenannte SHM-CDs (Super High Material Compact Discs), die sich auf jedem herkömmlichen CD-Gerät abspielen lassen und laut Hersteller besonders gute Eigenschaften haben sollen, aber auch besonders teuer sind. Vorliegender CD, gezogen vom Mutterband, sollte die zweite von Tritonus bald folgen und auch Vinyl-Ausgaben mit besonders umfangreichen Bandgeschichten.

Den zweiten Teil der Tritonus-Story von 1976 bis zum Schluss wird man im Booklet von Between The Universes lesen können.

Tritonus haben einen eigenen Eintrag in der deutschsprachigen und in der englischsprachigen Ausgabe der Wikipedia. Peter Seiler findet man nur in der deutschsprachigen Ausgabe.

Quelle: Garden Of Delights

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Diskografie

Jahr vonJahr bisBezeichnungArtCover
1973 The way of spending time (7") LP
1975 Tritonus LP
1976 Between the Universes LP
1977 The Trojan Horse Race / Timewinds of life (7") LP

Rezensionen

Interviews

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Musiker

Brand, Ronald - b, g, v

Brand, Ronald

Ende der 1970er Bass, Gitarre und Gesang bei Tritonus.

Schuh, Bernhard - d, perc

Schuh, Bernhard

Ende der 1970er Trommler und Percussionist bei Tritonus.

Seiler, Peter - Tasteninstr.

Seiler, Peter

Ende der 1970er bei Tritonus (piano, moog etc)
Auch Solo unterwegs

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