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Chris Braun Band, Dortmund» ist aufgelöst

Biografie

Chris Braun Band Bio

Chris Braun Band war der Name einer 1970 gegründeten Dortmunder Gruppe. Stilrichtung in den ersten Jahren: Bluesrock, progressiv, oft mit den bekannten Frumpy aus Hamburg verglichen.

Begonnen hatte alles 1967 mit den Faces aus Dortmund, nicht zu verwechseln mit den bekannteren Hamburger Faces um Frank Dostal, die 1966 die Beat-Single Cry Cry Cry/Stay Away (Star-Club Records 148.556 STF) veröffentlicht hatten. Die Dortmunder Faces spielten anfangs nur zu dritt, mit Joachim Bernstein (* 28.1.1952 in Dortmund) am Bass, Bill Bakine am Schlagzeug – sie waren zwei alte Schulfreunde aus Dortmund-Eving – und Manfred Göhring an der Gitarre. Etwas später kam der hochbegabte Elmar Krohn an der Mundharmonika und als Sänger hinzu, der damals in Dortmund-Asseln als Optikerlehrling arbeitete.

Das Geschäftliche erledigte in den ersten Jahren der Bandleader Joachim Bernstein. Die Zahl ihrer Auftritte ging in die Hunderte, denn damals gab es noch keine Diskotheken, und so tourte die Band durch eine Vielzahl von Tanzschulen und Clubs. Durch diese reichliche Übung beherrschten sie ihre Stücke wie im Schlaf.

Anfang 1970 stieß Christel „Chris“ Braun (* 10.7.1949) als Sängerin hinzu. Deshalb wechselte Elmar Krohn an die Querflöte, die sie im Musikhaus Schlüter in der Dortmunder Hansastraße für 400 DM kauften. Die Raten von jeweils 20 DM konnten sie locker bezahlen, weil sie an fast jedem Wochenende zwei Auftritte hatten. Passend zur Querflöte waren damals Jethro Tull ihr wichtigstes Vorbild, von denen sie einige Stücke nachspielten. Dazu Joachim Bernstein: „Davon ist ein bisschen beim Aufbau der Themen und der Art der Komposition hängengeblieben.“ Zwar gab es damals keine Veröffentlichungen der Faces, doch wurden 2010 vier Live-Stücke von ihnen auf der Sampler-CD Psychedelic Gems 8 (Psychedelic Gems PGCD 08) vorgestellt, jeweils zwei davon gespielt am 1. und am 8. März 1970 in der Vestlandhalle in Recklinghausen beim 7. Deutschen Beat-Festival – Pop & Blues-Labor der Amateure, wie sich die Veranstaltung damals nannte – insgesamt etwa 25 Minuten.

Die Faces landeten dort in der Endausscheidung auf Rang 2 unter etwa 60 Gruppen, hinter Man’s World aus Bielefeld, den Vorläufern von Virus, aber noch vor den bekannten Sweet Smoke aus New York auf Rang 3. Die Besetzung bestand zu jener Zeit aus Chris Braun (damals laut Ansage von Veranstalter Kurt Oster 20 Jahre alt), Elmar Krohn (19), Manfred Göhring (20), Jochen Bernstein (18) und Bill Bakine (20). Eigentlich war Chris Braun beim Auftritt schon 21 Jahre alt – die Angabe 20 Jahre stammte von ihrer Anmeldung ein paar Monate zuvor.

In der Jury saßen damals in Recklinghausen unter anderem Rolf-Ulrich Kaiser und Rainer „Glen“ Buschmann. Der machte ihnen als Leiter der Dortmunder Musikschule nachher das Angebot, zusammen mit dem Zwölftonkünstler Karl-Heinz Stockhausen auf der Weltausstellung im japanischen Osaka (Expo ’70) Deutschland zu repräsentieren. Doch unglücklicherweise standen für die Expo in Osaka nur vier Plätze zur Verfügung. So beschloss die fünfköpfige Band, dass niemand von ihnen ausgeschlossen werden sollte, und verzichtete auf diesen prestigeträchtigen Auftritt.

Nicht lange nach dem Wettbewerb in Recklinghausen, jedenfalls noch im gleichen Jahr 1970, benannten die Faces sich in Chris Braun Band um, auch deshalb, um nicht mit den englischen Faces verwechselt zu werden, den Nachfolgern der Small Faces. Durch den Rang 2 in der Vestlandhalle war das Berliner Hansa-Label auf die Gruppe aufmerksam geworden und bot ihr die Veröffentlichung einer Single an. Die beiden Stücke The Pusher und Season Of The Witch wurden in einem Berliner Studio aufgenommen, die Musiker wohnten für zwei Tage in einer Pension am Kurfürstendamm, im vierten Stock. Allerdings ist diese Single - wenn es sie überhaupt gibt - äußerst selten und taucht kaum je auf. Sehr wahrscheinlich ist sie über den Schritt der Testpressung oder der Promotionplatte nie hinausgekommen, was ihre große Seltenheit erklären würde. Joachim Bernstein meint sich jedenfalls schwach daran erinnern zu können, dass er sie damals in der Hand gehalten hat.

Gitarrist Manfred Göhring wollte lieber Amateur bleiben und den sich anbahnenden Weg zum Berufsmusiker nicht mitgehen. So schied er in aller Freundschaft aus und wurde durch Horst „Molly“ Schreiber (* 25.3.1951 in Dortmund) ersetzt, der im Dortmunder Kreuzviertel aufgewachsen war. Geprobt wurde dreimal wöchentlich in Dortmund-Körne. Dort hatten sie in einem großen Kabellager der Post eine Art Hausmeisterwohnung gemietet, wo sie ungestört spielen konnten. Ihre Roadies waren Wilfried Kortmann, Gerd „Bello“ Beloch und ein gewisser Thomas. Ihr größter Auftritt war bei einem Festival in Langelsheim am Harz vor etwa 40000 Menschen.

Im Sommer 1971 trat der Norddeutsche Rundfunk (NDR) an die Gruppe heran, um Aufnahmen mit ihr zu machen, die dann in der Fernsehsendung „Die aktuelle Schaubude“ übertragen wurden.

Anfang 1972 bot ihnen das BASF-Label einen Plattenvertrag an. Die Aufnahmen fanden vom 31.3.1972 bis zum 4.4.1972 in den bekannten Hamburger Windrose-Studios statt, mit Jürgen Schmeisser als Produzenten und Wolfgang Klaus als Toningenieur. Alle neun Stücke wurden von Chris Braun geschrieben, sowohl die Musik als auch die Texte. Über ihren Gesangsstil sagte sie damals: “Am Anfang haben mich Julie Driscoll, Maggie Bell von Stone The Crows und Janis Joplin inspiriert. Daraus habe ich meinen eigenen Stil entwickelt.” Die geschmackvolle Hülle wurde von Holger Matthies gestaltet und bekam den Deutschen Schallplattenpreis in der Kategorie LP-Cover, verliehen im Salzburger Mozarteum, wo die Gruppe auch auftrat. Die LP erschien 1972 als Both Sides (BASF 2021399-4). Auch eine spanische Pressung gab es (BASF 3053032), allerdings erst im Folgejahr 1973.

Alle fünf waren damals neben ihrer musikalischen Laufbahn auch noch anderweitig beschäftigt, und zwar Chris Braun als Fremdsprachenkorrespondentin einer großen Dortmunder Stahlexportfirma, Bill Bakine als Dekorateur, Elmar Krohn als Musikstudent, Jochen Bernstein als Werbegrafiker und Horst Schreiber als Büromaschinenmechaniker. Für einige Monate nach der ersten LP war auch noch ein zweiter Gitarrist dabei, Georg Jung, damals 21 Jahre alt und Maschinenbaustudent. Und sogar der bekannte Keyboarder Jimmy Jackson von Embryo war eine Zeitlang dabei.

Später schieden zwei von ihnen aus: Bill Bakine, weil er eingezogen wurde, und Horst Schreiber, weil er zu Breakfast gehen wollte. Dafür kamen Klaus Melchers an den Tasten und Bernd Adamkewitz an der Gitarre und am Saxophon. Elmar Krohn wechselte ans Schlagzeug.

In dieser Besetzung nahm die Chris Braun Band im November 1973 sieben Stücke für ihre zweite LP Foreign Lady (Pan 87586 IT) auf, die 1974 in aufwendigem Klappcover erschien und von Ariola vertrieben wurde. Das Album wurde von Dieter Dierks in Stommeln produziert und aufgenommen. Es war zu seiner Zeit eine kleine Sensation innerhalb der deutschen Musikszene und bestach durch außergewöhnliche Kompositionen und musikalisches Können. Sogar in Südafrika erschien die Platte (Ariola ARL 17032), dort allerdings nur in einfachem Cover, nicht aufklappbar. In den Niederlanden erreichte die LP einen Platz in den Top 20. Ausgekoppelt wurde die Single The Narrator/While You Are Thinking (Pan 13334 AT).

Da sich beide LPs nur mittelmäßig verkauften, blieben weitere Plattenverträge erst einmal aus. Einige Jahre lang hielt die Gruppe sich mit gelegentlichen Auftritten über Wasser. Elmar Krohn schied aus, weil er sich auf seine musikalische Ausbildung am Konservatorium konzentrieren wollte. Auch Klaus Melchers hörte auf. Dafür kam Ralph Bloch am Schlagzeug neu hinzu.

Erst 1980 bekam die Gruppe von Adolf Winkelmann den Auftrag, für seinen Film Jede Menge Kohle den Soundtrack einzuspielen, den er dann in Kleinauflage auch auf seinem eigenen Label als Platte herausbrachte, hauptsächlich zu Promotionzwecken. Als Jochen Leuschner von CBS Frankfurt darauf aufmerksam wurde, gab er der Gruppe einen Vertrag und brachte die Platte noch einmal auf CBS heraus, in größerer Auflage. Damals kam gerade die Neue Deutsche Welle auf, und die Leute der Chris Braun Band machten sich über die teilweise völlig talentfreien NDW-Künstler lustig. So nahmen sie zwei Stücke als NDW-Persiflage auf, die 1981 als 7”-Single Chrisbaumbrennt / No Wave” (CBS A 1826) erschien.

 In der Folge gab es 1982 noch eine weitere Single auf CBS und danach auf einem EMI-Unterlabel noch die LP Ultrabraun (Welt-Rekord 1C 064-65050) und zwei Singles. Die Single Chic & Elegant war besonders in der damaligen Studentenszene sehr beliebt und ist auf mehreren LP-Samplern veröffentlich worden. Heute ist der Titel auf Spotify und iTunes noch immer vertreten.

Die Auflösung kam um 1984.

Bill Bakine und Horst Schreiber spielten nachher bei Breakfast, die 1976 ihre einzige LP It’s Time For Breakfast (Sky 004) veröffentlichten. Horst Schreiber ging danach zu den Strandjungs, auch bei YouTube zu sehen. Heute spielt er seine Gitarre bei den Rock ‘n’ Roll Doctors, ist Bassist bei Blues Unlimited und brachte 2022 als Molly Schreiber seine eigene Instrumental-CD Words Can’t Tell heraus.

Chris Braun starb um 2005 an Bauchspeicheldrüsenkrebs, Bill Bakine 2010. Jochen Bernstein arbeitete viele Jahre lang in Berlin und ist inzwischen für seinen Ruhestand nach Dortmund zurückgekehrt. Sein musikalisches Talent hat er an seine Tochter Johanna Bernstein weitergegeben, die Gitarristin der Band The Rumours. Die gewann kurz nach ihrer Gründung das Regionalfinale des Bandwettbewerbs „Schooljam“ und ist auf Soundcloud vertreten. Johanna Bernstein war auch Teilnehmerin der Dokusoap The Band von Samu Haber in Barcelona. Elmar Krohn war als Mitkomponist am weltweiten Hit Blame It On The Boogie der Jacksons beteiligt und hatte dadurch ausgesorgt. Er wohnt nach wie vor in Dortmund-Asseln. Horst Schreiber lebt heute in Ense bei Soest. Manfred Göhring hat es nach Berlin verschlagen. Alle vier stehen noch in loser freundschaftlicher Verbindung miteinander.

Nur durch großen Zufall konnten einige Plakate, Bilder und dergleichen gerettet werden. Die überlebenden Mitglieder der Chris Braun Band hatten nur sehr wenige Fotos und Unterlagen von damals aufbewahrt. Die Einzige, die, zusammen mit ihrem damaligen Mann Jochen Bernstein, alles sorgfältig in einem Ordner abgeheftet hatte, war Chris Braun. Nach ihrem frühen Tod gelangte er in den Besitz ihrer Mutter. Und nach deren Tod bekam ihn ein Nachlassverwalter, der auch mal darin blätterte. Als er ins Krankenhaus kam, wurde er dort unter anderem von Bill Bakines Witwe gepflegt, einer Krankenschwester. Aus den Unterlagen hatte er den ausgefallenen Namen Bill Bakine noch im Gedächtnis und sprach die Witwe daraufhin an, ob sie etwas mit dem zu tun habe. Die wusste Bescheid, dass noch Unterlagen gesucht werden, und bekam von dem Nachlassverwalter den Ordner freundlicherweise geschenkt. Darin sind neben einigen Plakaten und Bildern auch Verträge, Promotion-Texte, Werbeanzeigen und Briefwechsel aufbewahrt, wie es sich für eine gelernte Bürokraft wie Chris Braun gehört. Eine echte Fundgrube.

Lange gab es nur illegale CD-Veröffentlichungen der Chris Braun Band auf dem Luxemburger Germanofon-Label, und zwar 1996 Both Sides (941102) und Foreign Lady (941101), beide äußerst billig und lieblos aufgemacht. Auf Schallplattenbörsen sind sie gelegentlich noch zu finden.

Die Sammlerpreise für die ersten beiden LPs der Chris Braun Band zogen im Lauf der Jahre etwas an, aber nicht so sehr wie bei manchen anderen LPs aus der Zeit.

Es gab damals nur wenige Artikel über die Chris Braun Band in Zeitschriften. In Riebe’s Fachblatt für die deutsche Musikscene Nr. 3 vom August 1972 stellte sich die Gruppe auf Seite 7 kurz vor und bot sich für Auftritte an. In Sounds 5/74 (mit Steve Winwood auf dem Umschlag) auf den Seiten 24 bis 26 schrieb Hermann Haring unter dem Titel „Musik mit dem Neger drin“ einen längeren Bericht über die Band, kurz nachdem sie ihre zweite LP Foreign Lady veröffentlicht hatte. Der Stern stellte Chris Braun in einem großen Bericht („Blues aus deutscher Kehle“) in Heft 39 vom 15.9.1972 in eine Reihe mit Inga Rumpf und Joy Fleming und nannte sie dort die „Queen of the Blues des Ruhrgebiets“.

In der deutschsprachigen Ausgabe der Wikipedia gibt es Einträge zur Chris Braun Band, zum Film Jede Menge Kohle und zu Adolf Winkelmann, in der englischsprachigen Ausgabe und einigen weiteren zum Stück Blame It On The Boogie.

Zum Schluss noch ein kurzer Rückblick von Horst Schreiber: „Mit 50 Jahren Abstand kann ich sagen, das die LP der Chris Braun Band für mich der Einstieg in die professionell arbeitende Musikszene mit einem Plattenvertrag war. Wie in dieser Zeit üblich, wurden die Titel in den fünf Tagen Studiozeit mehr oder weniger unter Live-Bedingungen aufgenommen, und es wurden nur wenige Overdubs gemacht (Gesang und Percussion). Darum klingt für mich die LP aus heutiger Sicht rau und direkt ohne viele technische Spielereien. Heute nach vielen Jahren als Musiker und Komponist in diversen Bands und als Tontechniker im eigenen Studio bringt mich diese LP wieder zurück an meine Anfänge als Musiker. „Time warp““

Quelle: Garden Of Delights

Bilder

Chris Braun Band PR-Foto 70er

Chris Braun Band auf dem German Rockfestival in Krefeld Foto: Herbert Klöters

Chris Braun Band PR-Foto 1975

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