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Kevin Ridley

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Konzertbericht

Diskografie

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2011 2011 Flying In The Face Of Logic CD

Rezensionen

KEVIN RIDLEY

Flying In The Face Of Logic

2011, DR2 Records/The Global Music Group, DR2CD 021

 

Gleich zu Anfang scheint es mir wichtig herauszustellen, dass Kevin Ridley dieses Album als zusätzliche Bereicherung  und Ergänzung seiner regelmäßigen Arbeit mit Skyclad geschaffen hat und nicht als Ersatz! Der reisefreudige und weltoffene Engländer möchte sich, wie er selber sagt, mit diesem zweiten Projekt zusätzliche Tourmöglichkeiten erschließen und persönliche Themen beleuchten. Fünf lange Jahre hat sich der vielseitige Allrounder bis zur Veröffentlichung Zeit gelassen, um sich mit seinem Solo-Werk Flying In The Face Of Logic einen Herzenswunsch zu erfüllen.

 

Seines Zeichens Produzent für Bands wie Pariah, Venom, Forgodsake, Anathema und Skyclad, Sänger und Songschreiber für Skyclad und nun auch Produzent, Sänger und Musiker seines Solo-Debüts, weiß Kevin seine weit reichende Szene-Erfahrung gezielt einzusetzen.

 

Als geborener Perfektionist hat er es sich in 35 Jahren künstlerisch nie leicht gemacht, was auch die ausufernde Entstehungsphase von Flying In The Face Of Logic erklärt. Der gebürtige Brite aus dem Nordosten Englands hat in vierzehn Songs reichlich autobiografisches Material zum Thema Wurzeln und Identität zusammengetragen. Stilistisch angelehnt an Skyclads ruhigere Scheiben wie Semblance Of Normality, mischen sich Kevins eigene Persönlichkeit und seine Skyclad-Identität zu einem neuen, wenn auch manchmal wunderbar vertrauten Sound. Aufgenommen wurde das gute Stück im Newcastle Blast Studio, gemischt vom Italiener Dario Mollo, der schon für Skyclad tätig war.

 

Kevin wird von Musikern instrumental aus seinem eigenen regionalen Umfeld unterstützt. Es wirken Andy May (Pipes), Sophy Ball (Folkworks Fiddle Player) und Dave Anderson (Bass) tatkräftig mit, neben sämtlichen aktuellen Skyclad-Mitgliedern!

 

Flying In The Face Of Logic Part 1 - Flying Intro beginnt im Klanggewand einer alten Schellack-Platte auf einem Grammophon. Nostalgisch knisternd steigt die Spannung...

 

Eat The Sun packt ohne Vorwarnung zu, als rockende Nummer mit Folk-Einschlag, bei der ich Elemente aus Kevins Forgodsake-Zeiten genauso herauszuhören meine, wie Einflüsse aus seiner Arbeit bei Skyclad. Ein Song, dessen ungebändigte Lebensfreude, verführerische Tanzbarkeit und energiegeladene Durchschlagkraft dem Album einen fulminanten Start bereiten. Alles Leben erhält die benötigte Energie von der Sonne auf. Eat The Sun holt diese goldene Kraft gleich mit dem ersten Song in jeden Raum, öffnet die Poren und rubbelt die Ohren frei.

 

Angel At Harlow Green wird von Akustikgitarre und Violine geführt. Die Melodie aus Klang gewordener Sentimentalität streichelt das Gemüt, versprüht Funken der Hoffnung und lässt auch der Schwermut den Raum, den sie braucht. 

 

De Profundis (Back Home Again) ist eine sehr persönliche Nummer. Es geht um eine glückliche Kindheit, um die Heimat und ihren über die Jahre zunehmenden Magnetismus. Es zieht den Reisenden oft zurück an seine Wurzeln, nachdem er die Welt gesehen hat. „You‘d forget the beauty in your own backyard“.. Der Song ist eine rhythmische Midtempo-Nummer über das gute und heilsame Gefühl, nach all den Jahren wieder nach Hause zurückzukehren.

 

Das Instrumental The Linton Flyer assoziiere ich mit der simplen aber schönen traditionellen Melodie eines Leierkastens oder der sich beruhigend drehende Spule einer Spieluhr, auch eine Karussell-Melodie vom Jahrmarkt kommt mir hierbei in den Sinn... Good Intentions (A Young Man\'s Tale), erzählt von Idealen und Träumen, und was die Zeit daraus macht. Diese Folkrock-Komposition funktioniert mit spürbarer Dynamik und überzeugenden Klang-Ideen, gekrönt von einem hymnischen Refrain.

 

Was dann folgt, ist und bleibt meine absolute Lieblingsnummer: Point Of Departure verzaubert von der ersten Sekunde an mit einer magischen Melodie voller Melancholie, Sehnsucht und Geborgenheit, welche einen einfach nicht mehr loslässt. Kevin singt mit warmer und kraftvoller Stimme einmal mehr über sein Leben. Die Suche nach den wirklich wichtigen Dingen und letztendlich das Ankommen im Hier und Jetzt werden zu einer berührenden Reflektion mit gigantischem Hitpotential. Poetisch, emotional und einfach atemberaubend authentisch, kriechen sanfte Schauer unter die Haut. Etliche Nummern in den kommerziellen Charts rutschen ab in die Belanglosigkeit, im direkten Vergleich mit diesem Überflieger!

 

(We All Get) Where We Want To Go hat neben einem zackigen Rhythmus noch Einiges zu bieten. Kevin lebt, atmet, inspiriert und bereichert seine Hauptband Skyclad seit einer halben Ewigkeit. Diese fruchtbare Symbiose kann man diesem Song seines Solo-Albums deutlich anhören. Man achte auf die freche Fiddle-Führung, die herrliche Akzente setzt. Auch Still Lucid After All These Beers sieht nur auf den ersten Blick nach einem Sauflied aus, geht aber inhaltlich in eine ganz andere Richtung.  Der Klang allerdings erinnert schon an einen heimlichen Skyclad-Song.

 

Eine tatsächliche Skyclad-Nummer, welche schon 2010 für das In The...All Together-Studioalbum verwendet wurde, ist Which Is Why, gebettet in einen 2010 Mix. Der Song wurde so um arrangiert, dass er der ursprünglichen Demo-Version von damals näher kommt. Knifflige Rhythmen formen Erklärungen auf Fragen, die sich nicht einfach so beantworten lassen. Kevins  bildhafte Sprache spult ganze Farbfilme vor dem inneren Auge ab. „and questions are answers, you‘ll  know which is why...“

Ein balladeskes Kleinod, das mit jedem neuen Hördurchlauf interessanter klingt, wird mit Knotwork zum Leben erweckt. Die ruhige Ballade gibt sich empfindsam der Traurigkeit hin, mit einem eigenen Sound-Charakter. Ein kunstvoller Knoten aus Zweifeln und Gefühlen.

 

They Dance Till Tomorrow  fängt ruhig an, schiebt sich dann aber in rasanter Dynamik druckvoll nach vorn. Kevins brachialer Gesang, untermauert von metallischen Gitarrenlinien und rauen Drums, verpassen diesem Kracher den nötigen Schliff.

 

In diesem Wechselbad der Gefühle segelt Lost For Words wieder in sanfteren Gewässern. Dieser Rocksong gibt einer Melancholie Raum und Gelegenheit, die in allen von uns schlummert. Die letzten Worte am Ende eines langen Tages, am Ende einer langen lyrischen Reflektion, am Ende eines Albums voller besinnlicher und inniger Momente...  Flying In The Face Of Logic: Part 2 - Flying Out(ro) ist das musikalisch verträumte Nachwort und legt sich wie ein schützender Schleier auf.

 

Flying In The Face Of Logic ist eine sehr anspruchsvolle und wunderbar eingängige Scheibe, die mit lyrischer Schreibe zu beeindrucken weiß. Ihre kreativen Melodien vermögen die Vielfältigkeit des Lebens, der inneren Seelenwelt und der Natur in und um Kevin herum widerzuspiegeln, ohne zu persönlich zu erscheinen.

 

Wenn Kevin mit dieser extrem starken Veröffentlichung künstlerisch bei sich selber angekommen ist, so liegt (besonders im zweiten Teil) die Vermutung nahe, dass sich seine eigene Identität durch die Arbeit mit Skyclad so sehr gefestigt und verankert hat, dass seine persönliche Individualität untrennbarer mit der Band aus Newcastle verwoben ist, als ihm selber zuvor bewusst war!

Wer Skyclad liebt, sollte dieses musikalische, teils akustisch ambitionierte, teils deftig rockende Füllhorn vorurteilsfrei bis zum Rande leeren. Wer ganz neue, andere Töne entdecken will, der sollte ebenfalls davon probieren! Zu all jenen zeitlosen Alben, die man als ausgereift und seelentief loben und dementsprechend laut bejubeln kann, gehört Flying In The Face Of Logic mit Sicherheit!

 

Kontakt:

Kevin Ridley

http://kevinridley.groovemachine.net

www.myspace.com/kevinridleyofficial

www.theglobalmusicgroup.com

 

Andrea Göbel

 

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